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Hannoversche Architekturschule
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Die Hannoversche Architekturschule (auch verkĂŒrzt: Hannoversche Schule) bezeichnet eine vorwiegend in Norddeutschland verbreitete, historistische Architektur-Schule der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts. Sie zeichnet sich aus durch die Abkehr vom Klassizismus und Neobarock und die Hinwendung zur Neogotik. Ihr BegrĂŒnder, der Architekt Conrad Wilhelm Hase, schuf allein knapp 80 Kirchenneubauten und ĂŒber 60 Profanbauten. Daneben lehrte Hase 45 Jahre lang an der Polytechnischen Hochschule in Hannover und bildete wĂ€hrenddessen rund 1000 Voll-Architekten aus, von denen viele seine Stilprinzipien ĂŒbernahmen.cite-ref-2[1.1] Die fortschreitende Industrialisierung begĂŒnstigte die Entfaltung der Hannoverschen Schule. In den StĂ€dten sorgte eine sprunghaft wachsende Bevölkerung fĂŒr einen großen Bedarf an neuen WohnhĂ€usern, Schulen und KrankenhĂ€usern.cite-ref-3[1.2] Der Ausbau des Eisenbahnnetzes verlangte nach Hochbauwerken wie Stations- und BetriebsgebĂ€udencite-ref-bauwerke-eisenbahn-1-4-0[2], und aufstrebende Industriebetriebe nutzen reprĂ€sentative Fabrikbauwerke, um ihre wirtschaftliche Bedeutung abzubilden. So entstanden im namensgebenden Hannover zwischen den 1850er Jahren und dem Anfang des 20. Jahrhunderts zahlreiche große Stadtkirchen, Schul- und FabrikgebĂ€ude sowie mehrere tausend WohnhĂ€user.cite-ref-5[1.3] Stilistisch zeichneten sich diese Bauwerke durch ihre unverputzten Ziegelfassaden aus, was als „ehrlich“ empfunden wurde.cite-ref-6[1.4] Besonders fĂŒr Fabrikbauten galt, dass sich bereits an der Ă€ußeren Form eines GebĂ€udes dessen innere Funktion erkennen lassen sollte.cite-ref-7[1.5] Um die GebĂ€ude Ă€ußerlich zu verzieren, kam eine Reihe von Gestaltungsmitteln zum Einsatz: beispielsweise aus dem mittelalterlichen Kirchenbau ĂŒbernommene Übereckfialengiebel, Formsteine und dekorativ gesetzte Ziegel mit glasierter OberflĂ€che.cite-ref-8[1.6]

Nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhren die erhaltenen Bauwerke besonders in Hannover lange Zeit nur wenig denkmalpflegerisches Interesse. Groß angelegte Umgestaltungsmaßnahmen, die Umwandlung Hannovers zur „autogerechten Stadt“, fĂŒhrten zu zahlreichen Abrissen.cite-ref-10[3.1]

Der Begriff „Hannoversche Architekturschule“ tauchte vermutlich erstmals 1882 bei Theodor Unger auf.cite-ref-12[4.1]cite-ref-auffarth-pietsch-13-0[5] Seinerzeit bezog sich der Ausdruck jedoch gleichermaßen auf den vorangegangenen Rundbogenstil und die durch Einfluss Hases geprĂ€gten Bauten, wĂ€hrend in spĂ€terer Zeit nur die Bauwerke nach Hases Lehre zur „klassischen“ Hannoverschen Schule gerechnet werden.cite-ref-15[6.1]

Contents

‱ Sakralbauten
‱ Schlösser
‱ Flensburg
‱ Norwegen
‱ Nordamerika
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Ursprung und Geschichte

Der Rundbogenstil als VorlÀufer

Der Hannoverschen Schule ging die Phase des Rundbogenstils voraus, die etwa von 1835 bis 1865 andauerte. Auch bei dieser Strömung handelte es sich um eine AusprĂ€gung des Historismus, also ein Aufgreifen und Rekombinieren von Elementen Ă€lterer Stilrichtungen. Verbreitung fand die hannoversche Form des Rundbogenstils nicht nur in der Stadt selbst, sondern auch im Königreich Hannover. Zwei AusprĂ€gungen lassen sich hier unterscheiden: Der von Hofbaurat Christian Heinrich Tramm entwickelte Tramm-Stil, charakterisiert durch Stabwerk und EckstabtĂŒrmchen, und der von Stadtbaumeister August Heinrich Andreae begrĂŒndete Stil mit plastisch-rĂ€umlich eingesetzten Backsteinen.cite-ref-16[1.7]

Der Konsistorialbaumeister und Architekturprofessor Conrad Wilhelm Hase (1818–1902) griff ab etwa 1853 die Variation des Rundbogenstils Andreaes auf und leitete daraus fließend das Formenprogramm der Hannoverschen Schule ab.cite-ref-2-1[1.1] Keinen Einfluss besaß hingegen die Architekturlehre des Berliners Karl Friedrich Schinkel, die Schinkelschule.cite-ref-17[6.2] Nach einer Übergangszeit bildete die Hannoversche Schule gegen 1860 ihre EigenstĂ€ndigkeit heraus. Ihre Phase dauerte bis etwa 1900 an, in AusnahmefĂ€llen bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges, und erstreckte sich ĂŒber den norddeutschen Raum, zum Teil ins Ausland.cite-ref-2-2[1.1]

Ulrike Faber-Hermann formulierte 1989 ĂŒber die Hannoversche Schule, dass sich ihr „Erscheinungsbild durch bestimmte Charakteristika“ beschreiben lasse, aber eine „darĂŒber hinausgehende Definition“ vage bleiben mĂŒsse.cite-ref-15-1[6.1] Zur Zeit ihrer Entstehung sei ihr Name „vielschichtiger“cite-ref-15-2[6.1] gewesen. Beispielsweise zĂ€hlte Theodor Unger 1882 zur Hannoverschen Schule sowohl den durch von GĂ€rtner geprĂ€gten Rundbogenstil als auch die gotischen Formen Hases. Nach Ansicht Faber-Hermanns seien spĂ€ter nur die letztgenannten mit dem Begriff der Hannoverschen Schule verbunden worden. Bei genauerer Betrachtung ließen sich viele SchĂŒler Hases strenggenommen nicht als Vertreter dieser Schule charakterisieren, nur wenige der Schule zugeordnete Bauwerke seien tatsĂ€chlich „stilrein“.cite-ref-15-3[6.1]

Conrad Wilhelm Hase als Baumeister und Lehrer

Conrad Wilhelm Hases BautĂ€tigkeit wurde zur treibenden Kraft fĂŒr die Hannoversche Schule, daneben lehrte Hase an der Technischen Hochschule in Hannover (bis 1879 noch Polytechnische Schule) und sorgte auch dadurch fĂŒr die Verbreitung seiner Vorstellungen. Von 1849 bis 1894 umfasste seine LehrtĂ€tigkeit dort unter anderem die FĂ€cher Entwerfen öffentlicher und privater GebĂ€ude, Höhere Baukunst, Formenlehre der mittelalterlichen Baukunst und Ornamentik.cite-ref-2-3[1.1] Hase bemĂŒhte sich in seinem Wirken um eine Loslösung von dem durch Georg Ludwig Friedrich Laves reprĂ€sentierten klassizistischen Baustil und von den aus Frankreich ĂŒbernommenen neobarocken Tendenzen zugunsten mittelalterlicher Formen, die er als stilistisch rein betrachtete. Der in Wien lehrende Architekt Friedrich von GĂ€rtner ĂŒbte großen Einfluss auf Hase aus. Von GĂ€rtner vertrat die Lehrmeinung, als Baumaterial sei der unverputzte Stein zu verwenden („Reinbau“).cite-ref-17-1[6.2] In den 45 Jahren, die Hase an der Hochschule lehrte, waren rund 35.000 Studenten in Baukunst-FĂ€cher eingeschrieben, von denen jedoch nur rund 1000 ein komplettes Architekturstudium durchliefen und als direkte SchĂŒler Hases betrachtet werden können.cite-ref-2-4[1.1] Die hannoversche Ausbildung in der Baukunst genoss ĂŒberregionale Anerkennung, sodass Studenten aus allen norddeutschen Landesteilen kamen, außerdem aus Nord- und SĂŒdamerika, England, den Niederlanden und besonders aus Norwegen. Der Nachfolger Hases an der Hochschule, Karl Mohrmann, fĂŒhrte das auf die Neugotik zugeschnittene Lehrprogramm seines VorgĂ€ngers bis 1924 fort.cite-ref-2-5[1.1]

Die Rolle der Eisenbahn

Die Erfindung der Eisenbahn war fĂŒr die Industrialisierung im 19. Jahrhundert von entscheidender Bedeutung.cite-ref-18[2.1] In Niedersachsen ĂŒberschnitten sich der Aufbau des Streckennetzes und die Herausbildung der Hannoverschen Schule ĂŒber mehrere Jahrzehnte. Viele Architekten, die dem Architekturstil anhingen, waren auch im Eisenbahnbau tĂ€tig, unter ihnen Conrad Wilhelm Hase und einige seiner Mitarbeiter.

Die Eisenbahn erlaubte den raschen Transport von Waren und Personen, erschloss lĂ€ndliche Regionen und sorgte fĂŒr einen starken wirtschaftlichen Aufschwung.cite-ref-18-1[2.1] Anfangs spielten vor allem ökonomische Gesichtspunkte eine Rolle und der GĂŒtertransport genoss das grĂ¶ĂŸere Interesse, ehe einige Jahre spĂ€ter auch der Personenverkehr an Bedeutung gewann.cite-ref-20[7.1] Die von der Eisenbahn ausgehenden technischen Neuerungen wirkten auch auf Kunst und Architektur, außerdem bestimmten sie die Dorf- und Stadtentwicklung. Vielerorts prĂ€gten die EmpfangsgebĂ€ude der Bahnhöfe des Stadtbild. In Niedersachsen war es die Ziegelbauweise, die in der zweiten HĂ€lfte des Jahrhunderts im Bahnhofsbau ĂŒberwog.cite-ref-18-2[2.1] Nach einer Reise durch Deutschland 1857 Ă€ußerte der britische Architekt George Gilbert Scott dazu anerkennend: „The best developments of railway architecture I have seen are on the Hanoverian lines“cite-ref-bauwerke-eisenbahn-2-21-0[8], deutsch: „Die besten Entwicklungen der Eisenbahnarchitektur, die ich gesehen habe, gibt es bei den hannoverschen Strecken“. Die Entwicklung der Eisenbahn in Niedersachsen hatte bereits einige Zeit frĂŒher begonnen: Als erstes TeilstĂŒck nahm Ende 1838 die Strecke von Braunschweig nach WolfenbĂŒttel den Betrieb auf.cite-ref-22[2.2] Gegen 1880 waren alle wichtigen Strecken gebaut, in der Folgezeit entstanden nur noch zusĂ€tzliche Linien und Nebenbahnen.cite-ref-23[2.3]

Wissenschaftler des Instituts fĂŒr Bau- und Kunstgeschichte der UniversitĂ€t Hannover identifizierten Anfang der 1980er Jahre insgesamt 480 Hochbauten in Niedersachsen, die sie als „wissenschaftlich bemerkenswert“ einstuften.cite-ref-24[7.2] Neben EmpfangsgebĂ€uden betrachteten sie auch andere, dem Betrieb dienende Bauten, wie beispielsweise Stellwerke, Ausbesserungshallen, PostenhĂ€user und Eisenbahner-Wohnungsbauten. Die Untersuchung ergab verschiedene architektonische „Stilentwicklungsstufen“, nach denen die Bauwerke gestaltet wurden. GemĂ€ĂŸ der 1983 veröffentlichten Bestandsaufnahme bildete sich von 1852 bis 1865 eine „eigenstĂ€ndige Formensprache in Anlehnung an den Rundbogenstil der Hannoverschen Schule“cite-ref-25[7.3] heraus, in den folgenden zwanzig Jahren kam die Neugotik der Hannoverschen Schule dann „punktuell“cite-ref-25-1[7.3] zur Anwendung. Laut dieser Untersuchung fanden Innovationen besonders oft im Bereich der „Kleinarchitektur“cite-ref-26[2.4] weniger wichtiger Haltestellen statt, ebenso bei den Anlagen erster Generation, die spĂ€ter durch grĂ¶ĂŸere Nachfolgebauten ersetzt wurden (beispielsweise die Bahnhöfe in Hannover, Uelzen oder Oldenburg). Die Innovationen betrafen sowohl die Architektur als auch die Stadtplanung und die Technik.cite-ref-26-1[2.4]

Viele BahnhofsgebĂ€ude im Stile der Neugotik entstanden entlang der Hannöverschen SĂŒdbahn von Hannover nach Göttingen. Die Strecke wurde bereits 1845 geplant, wegen der unsicheren politischen Situation des VormĂ€rz verzögerte sich die Realisierung jedoch.cite-ref-27[7.4] Das erste TeilstĂŒck, von Hannover bis Alfeld, konnte im Mai 1853 eingeweiht werden, der Abschnitt bis Göttingen folgte ein gutes Jahr spĂ€ter. Mit der Planung zahlreicher GebĂ€ude war Conrad Wilhelm Hase beauftragt, vermutlich unter Mitarbeit von Julius Rasch und Adolf Funk. Stilistisch bilden diese Bauten den Übergang vom Rundbogenstil zur Hannoverschen Schule ab, so beispielsweise das EmpfangsgebĂ€ude in Sarstedt von 1855.cite-ref-28[7.5] Der heute angestrichene Backsteinbau ist in der Vertikalen mit Lisenen gegliedert. Am mittigen Querbau erhielt das Haus einen Blendgiebel, der an Stabwerk angelehnte Verzierungen bekam.cite-ref-28-1[7.5] Weitere Bahnhöfe Hases an dieser Strecke finden sich in Nordstemmen (ausgefĂŒhrt 1858/1860),cite-ref-29[7.6] Elze (1855),cite-ref-30[7.7] Einbeck (damals Salzderhelden, 1855)cite-ref-31[7.8] und Göttingen (1855)cite-ref-32[7.9]. In Bantelncite-ref-33[7.10] und Fredencite-ref-34[7.11] zeigen die EmpfangsgebĂ€ude Elemente des Rundbogenstils, entstanden aber vermutlich erst zwischen 1865 und 1870.

Zeitgenössische Rezeption

1882 gab Theodor Unger eine erste umfassende Darstellung der Bauten der Hannoverschen Schule heraus. Sie erschien im ersten ArchitekturfĂŒhrer der Stadt – Hannover: FĂŒhrer durch die Stadt und ihre Bauten – und bestand in einer GegenĂŒberstellung der Hannoverschen Schule mit den hannoverschen Bauten der Renaissance. Unger attestierte dem neuen Stil, der Stadt eine „höchst charakteristische und interessante Ă€ußere Erscheinung“cite-ref-5-1[1.3] verschafft zu haben. Die Verfechter sahen in der Hannoverschen Schule einen „Universalstil“, den es fĂŒr alle Arten an Bauaufgaben einzusetzen galt, von Kirchen bis zu Zweckbauten. Wegen dieses weitreichenden Anspruchs gab es auch kritische Stimmen und Ablehnung, worauf Unger in seiner Veröffentlichung ebenso einging.cite-ref-5-2[1.3]

In Ungers ArchitekturfĂŒhrer Ă€ußerte sich auch der Berliner Architekt Hubert Stier, der kurz zuvor den Hannoverschen Hauptbahnhof geschaffen hatte, ĂŒber die „Renaissancebauten“ in Hannover.cite-ref-35[1.8] Er rechnete zu diesen „kĂŒnstlerisch bemerkenswerthe“ Monumental- und Privatbauten, fĂŒr die im Streben nach „gediegener MonumentalitĂ€t [
] echte[r] Materialien“ verwandt worden seien. Die Bauwerke seien bestimmt durch die mittelalterlichen AnklĂ€nge und zeichneten sich gegenĂŒber anderen zeitgenössischen Bauten als „vortheilhaft“ aus.cite-ref-35-1[1.8]

Beide Kritiker, Unger und Stier, beurteilten die Hannoversche Schule aus einer gewissen Distanz: Unger besaß eine PrĂ€gung der Wiener Schule um Friedrich von Schmidt, Stier gehörte der Berliner Schule an.cite-ref-35-2[1.8]

AnhÀnger der Schule

WĂ€hrend seiner LehrtĂ€tigkeit an der Polytechnischen Schule Hannover bildete Conrad Wilhelm Hase etwa 1000 Voll-Architekten aus. Einige seiner SchĂŒler unterstĂŒtzen Hase an der Hochschule und vertraten die Lehren der Neugotik als seine Assistenten oder als Professoren und Privatdozenten. Zu diesem Kreise zĂ€hlten Wilhelm LĂŒer (ab 1858), Arthur Schröder (ab 1869), Werner Schuch (ab 1872), Max Kolde (ab 1883), Gustav Schönermark (ab 1885), Theodor Schlieben (ab 1890) und Eduard Schlöbcke (ab 1895). Nach Hases Ausscheiden aus der Technischen Hochschule trat Karl Mohrmann dessen Nachfolge an und vertrat die Lehrmeinung seines VorgĂ€ngers in teils abgewandelter Form bis 1924 weiter.cite-ref-2-6[1.1] Außer an der Hochschule unterrichteten Hases SchĂŒler auch als LehrkrĂ€fte an der Kunstgewerbeschule Hannover (Otto Bollwegcite-ref-36[1.9], Karl Gundelachcite-ref-37[1.10], Adolf Nartencite-ref-38[1.11], Hermann Nartencite-ref-38-1[1.11]). Viele SchĂŒler waren auch an Baugewerkschulen tĂ€tig, beispielsweise an der Baugewerkschule Eckernförde (Erich Apolantcite-ref-39[1.12]), in Hamburg (Hugo Groothoffcite-ref-37-1[1.10]) oder in Nienburg (Otto Blankecite-ref-40[1.13], Wilhelm Schultzcite-ref-41[1.14]). An der bedeutenden ersten norddeutschen Baugewerkschule in Holzminden gab es mit dem Lehrerverein Kunstclubb in den 1860er Jahren einen Kreis von Hase-Bewunderern, der bestrebt war, die Hannoversche Schule zu verbreiten (Carl SchĂ€fercite-ref-42[1.15]).

Einen großen Einfluss ĂŒbten auch Hases SchĂŒler aus, die im Dienste der StĂ€dte als Baudirektoren wirkten (unter anderem in Bielefeld, Bremen, DĂŒsseldorf, Duisburg, Essen, Göttingen, Hamburg, Hannover, Harburg, Hildesheim, Kassel, Kiel, Köln, LĂŒbeck, LĂŒneburg, OsnabrĂŒck und Peine). Außerdem arbeiteten viele, die ihre Ausbildung in Hannover genossen hatten, anschließend als Privatarchitekten. Der Bauhistoriker GĂŒnther Kokkelink schĂ€tzte ihre Zahl in Norddeutschland auf ĂŒber 500; allein fĂŒr Hamburg waren 30 ArchitekturbĂŒros von Hase-SchĂŒlern bekannt.cite-ref-43[1.16]

Auswahl wichtiger Vertreter

‱ Ludwig Droste (1814–1875): Droste studierte bei GĂ€rtner in MĂŒnchen und arbeitete zunĂ€chst als Privatarchitekt in Mannheim, ehe er 1849 als Stadtbaumeister in Hannover vereidigt wurde. Er grĂŒndete mit anderen den Architekten- und Ingenieur-Verein Hannover. Droste gilt als Vertreter des Rundbogenstils; zu seinen Werken in Hannover zĂ€hlen unter anderem das Lyceum am Georgsplatz, die Restaurierung der Marktkirche, der Packhof, der Eingangsbau des Engesohder Friedhofs und mehrerer weitere SchulgebĂ€ude (BĂŒrgerschule, Am Clevertore; Höhere Töchterschule, Am Graben; Stadttöchterschule, Am Aegidiendamm).cite-ref-44[1.17]
‱ Conrad Wilhelm Hase (1818–1902): Hase lernte zunĂ€chst an der Polytechnischen Schule Hannover (der spĂ€teren UniversitĂ€t), dann an der UniversitĂ€t Göttingen, woran sich eine Maurerlehre anschloss. Ehe er 1849 seine 45 Jahre wĂ€hrende LehrtĂ€tigkeit an der UniversitĂ€t Hannover aufnahm, arbeitete Hase fĂŒr die Königlich Hannoversche Eisenbahndirektion. WĂ€hrend seiner Zeit als Hochschullehrer erhielt er die Titel Bauinspektor (1852), Baurat (1858) und Professor (1878). Der BegrĂŒnder der Hannoverschen Schule war auch nebenamtlicher Konsistorialbeamter bei der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover und EhrenbĂŒrger von Einbeck und Hildesheim. FĂŒr die Zeit 1848–52 lassen sich Hases EntwĂŒrfe dem Rundbogenstil zurechnen, danach vertrat er 1853–59 verschiedene Tendenzen der Neugotik, um dann ab 1859 seinen persönlichen Stil der Neugotik auszubilden. Im Laufe seines Lebens schuf Hase eine große Zahl ganz unterschiedlicher Bauten in weiten Teilen Norddeutschlands. Einige Beispiele sind: Christuskirche Hannover, katholische Kirche Peine, Erlöserkirche Hannover, Apostelkirche Hannover, Turmerweiterung der Martinskirche Linden (heute Hannovor), Erweiterung des Alten Rathauses Hannover, Andreanum Hildesheim, Bahnhöfe von Lehrte, Celle, Bremen, Wunstorf, Göttingen, Nordstemmen, Oldenburg, Schloss Marienburg, PostgebĂ€ude Hildesheim, KĂŒnstlerhaus Hannover, Klagesmarkt-Apotheke Hannover.cite-ref-45[1.18]
‱ Hermann Hunaeus (1812–1893): Wie Ludwig Droste studierte auch Hunaeus bei GĂ€rtner in MĂŒnchen. Ab 1836 wirkte er als Kriegsbaumeister in Hannover, anschließend als Ober-Regierungs- und Baurat, spĂ€ter als Geheimer Baurat. Hunaeus, auch ein MitbegrĂŒnder des Architekten- und Ingenieurs-Vereins Hannover, gilt als Vertreter des Rundbogenstils. Er schuf unter anderem verschiedene FlĂŒgel des königlichen DicasteriengebĂ€udes in Hannover (Am Archiv, Archivstraße), die WohnhĂ€user von Johann Egestorff, Wilhelm Glahn und Hermann Cohen, das MilitĂ€rhospital in der Adolfstraße von Hannover, das Haus der MilitĂ€r-Bekleidungskommission ebenfalls in der Adolfstraße und das Lehrerseminar von Wunstorf. Außerdem baute er das Welfenschloss in Hannover zur Technischen Hochschule um.cite-ref-46[1.19]
‱ Franz Andreas Meyer (1837–1901): Meyer lernte an der Polytechnischen Schule Hannover und arbeitete wĂ€hrend des zweiten Studienabschnitts in Hases BĂŒro mit. Nach dem Studium begann er als Ingenieursassistent fĂŒr die Königliche Eisenbahndirektion in Hannover (1860) und wechselte anschließend nach Hamburg (1862), wo er zum leitenden Oberingenieur der Baudeputation aufstieg (1872). Er hielt weiterhin Kontakt mit Hase und verschaffte vielen seiner SchĂŒler eine Anstellung bei der Hamburger Baudeputation. Meyer war MitgrĂŒnder der NiedersĂ€chsischen und der Hamburger BauhĂŒtte, außerdem Vorsitzender des Architekten- und Ingenieur-Vereins Hamburg. Zu Meyers Planungen zĂ€hlt die Oberaufsicht der gesamten Speicherstadt im Freihafen Hamburg, fĂŒr die er zahlreiche SpeichergebĂ€ude selbst entwarf. Außerdem stammen das ZollgebĂ€ude und das Portal der neuen ElbbrĂŒcke von ihm.cite-ref-47[1.20]
‱ Karl Mohrmann (1857–1927): Mohrmann lernte an der Polytechnischen Schule Hannover bei Hase (bis 1879), dessen Nachfolger er dort spĂ€ter werden sollte. Nach dem Studium war er zunĂ€chst im preußischen Staatsdienst, ehe er Privatdozent fĂŒr Baukunst in Hannover wurde. Nach der TĂ€tigkeit in Hases BĂŒro wechselte er fĂŒr fĂŒnf Jahre als Professor fĂŒr Bauwissenschaften nach Riga (1887–1892). ZurĂŒck in Hannover beerbte er 1894 Hase als Professor fĂŒr mittelalterliche Baukunst. Auch ĂŒbernahm er den Vorsitz der von Hase gegrĂŒndeten BauhĂŒtte zum weißen Blatt (ab 1902). Mohrmann schaffte es, die Prinzipien der Hannoverschen Schule weiterzuentwickeln und ihren Einfluss bis in die 1920er Jahre zu behaupten. Sein Schaffen umfasst die Restaurierung des Doms in Riga, sein eigenes Wohnhaus am HerrenhĂ€user Kirchweg in Hannover, die evangelische Martin-Luther-Kirche in Bremen und weitere Kirchen in Hannover, Bremen und Oldenburg.cite-ref-48[1.21]
‱ Edwin Oppler (1831–1880): Auch Oppler war einer von Hases SchĂŒlern an der Polytechnischen Schule Hannover (bis 1854) und arbeitete im BĂŒro des Lehrers. Nach dem Studium sammelte er Erfahrungen in Belgien und Frankreich, um anschließend als Privatarchitekt in Hannover zu wirken (ab 1861); Oppler gehörte zu der Zeit auch dem Architekten- und Ingenieur-Verein Hannover an. Von ihm stammen in Hannover unter anderem die Villa Solms, der JĂŒdische Friedhof An der Strangriede, die Neue Synagoge und die Israelitische Schule sowie in Bad Honnef das Schloss Hagerhof und in Breslau, Karlsbad, Norderney und Hameln weitere WohnhĂ€user und Synagogen.cite-ref-49[1.22]
‱ Julius Rasch (1830–1887): Rasch begann sein Studium an der Polytechnischen Schule Hannover unter Tramm und arbeitete gleichzeitig im ZentralbĂŒro der hannoverschen Eisenbahn, deren Architekt er nach dem Studium wurde (1852). Hier stieg er vom Bauconducteur zum Bauinspector auf, ehe er 1875 zu Alfred Krupp nach Essen wechselte. Von 1875 war er als Regierungs- und Baurat Berlin tĂ€tig. Zusammen mit Hase und Adolf Funk entwarf er zahlreiche Bahnhöfe, darunter: Alfeld, Elze, Göttingen, Hann.-MĂŒnden, Leer, Papenburg, Nordstemmen. Von ihm stammt auch das DirektionsgebĂ€ude der Hannoverschen Eisenbahn in der Joachimstraße von Hannover, außerdem einige WohnhĂ€user.cite-ref-50[1.23]
‱ August Rebentisch (1846–1890): Rebentisch studierte an der Polytechnischen Schule Hannover bei Conrad Wilhelm Hase und Wilhelm LĂŒer und gilt als Vertreter der Hannoverschen Architekturschule. Nach ersten Arbeiten fĂŒr LĂŒers BĂŒro in Kassel wirkte er dort als selbststĂ€ndiger Architekt, wobei er die von Hase geprĂ€gten Prinzipien des materialgerechten Bauens und der Neugotik weiterfĂŒhrte. Seine EntwĂŒrfe zeichnen sich durch den bewussten Einsatz von Backstein und Naturstein sowie durch klare, mittelalterlich inspirierte Formen aus. Zu seinen Bauten in Kassel zĂ€hlen unter anderem die Kur- und Wasserheilanstalt Bad Wilhelmshöhe (1881–83), das Schwesternhaus der Vinzentinerinnen am Weinberg 7 (1886–88), die Villa Scheldt am Akazienweg 7 (1889) und die Vogt’sche KunstmĂŒhle (1887). Rebentisch trug wesentlich zur Verbreitung der hannoverschen Richtung im mitteldeutschen Raum bei.cite-ref-51[9]
‱ Christian Heinrich Tramm (1819–1861): Tramm studierte zunĂ€chst an der Polytechnischen Schule Hannover (ab 1835) und wechselte anschließend zu GĂ€rtner nach MĂŒnchen (1838–40). Nach seinem Studium kehrte Tramm nach Hannover zurĂŒck, um dort als Hofbaukondukteur zu arbeiten; auch er war fĂŒr Laves tĂ€tig. Tramm gilt als AnhĂ€nger des Rundbogenstils, dessen Stabwerk-Variante er entwickelte. Zu seinen Werken in Hannover zĂ€hlen unter anderem der Pferdestall im Georgengarten, die Villa Kaulbach am Waterlooplatz und die Villa Simon an der BrĂŒhlstraße. StĂ€dtebaulich prĂ€gend sind vor allem das Welfenschloss und der GebĂ€udetrakt des Henriettenstifts zur Marienstraße.cite-ref-52[1.24]

Die BauhĂŒtte

Im November 1880 grĂŒndete Conrad Wilhelm Hase die BauhĂŒtte zum weißen Blatt, um dem schwindenden Einfluss seines Schaffens entgegenzuwirken. In den spĂ€ten 1870er Jahren hatte sich die Situation fĂŒr die Hannoversche Schule gewandelt: Nach der ReichsgrĂŒndung kam es zu einem Bauboom (GrĂŒnderzeit), wĂ€hrenddessen sich die verschiedenen Architekturschulen immer mehr vermischten. Daneben wuchs die Bedeutung des Hannoverschen Architekten- und Ingenieurs-Vereins auf Kosten von Hases TĂ€tigkeit. Bei dem gewĂ€hlte Namenszusatz „zum weißen Blatt“ handelt es sich vermutlich um eine Anspielung auf die hannoversche Freimaurerloge Friedrich zum weißen Pferde, zu deren Mitgliedern unter anderen Georg L. F. Laves zĂ€hlte. Das Konzept der BauhĂŒtte sah vor, dass ein Mitglied seine EntwĂŒrfe zunĂ€chst den Kollegen zur PrĂŒfung vorlegen musste. Durch das Herausbilden eines vereinheitlichen Stils sollte die kĂŒnstlerische QualitĂ€t der Bauwerke weiter gesteigert werden.cite-ref-53[1.25] Das Leitbild der BauhĂŒtte wurde in mehreren WahlsprĂŒchen festgehalten, die sich mit Hases GrundsĂ€tzen deckten:cite-ref-54[1.26]

‱ Gleichheit vor der Kunst!: Die Arbeit eines Lehrers ist nicht per se wertvoller als die seines SchĂŒlers, es zĂ€hlt allein die kreative Kraft einer Person.
‱ Freundschaft in der HĂŒtte!: Die Mitglieder der BauhĂŒtte treten gemeinsam gegen die Verfechter anderer Stilrichtungen an und sind miteinander in Freundschaft verbunden. Dies war insofern wichtig, weil die Mitglieder nicht nur mit den AnhĂ€ngern anderer Schulen, sondern auch untereinander um AuftrĂ€ge konkurrierten.
‱ Wahrheit in der Kunst!: Dieser Grundsatz bezieht sich auf den strittigen Einsatz von unverputzten Ziegeln als sichtbares Rohmaterial. Jedes Material solle als „echt“ betrachtet werden, sofern es richtig eingesetzt wird.
‱ Festhalten am Alten!: Damit sollten die Mitglieder zur Selbstkritik angehalten werden. Es gelte, die Kunst der Vergangenheit zu achten und die eigenen, aktuellen Bauprojekte in ihrer Bedeutung nicht zu ĂŒberschĂ€tzen. Dieser Grundsatz wurde oft als eine RĂŒckwĂ€rtsgewandheit der Mitglieder missverstanden.cite-ref-54-1[1.26]

Bereits in den 1880er und 1890er Jahren wichen jedoch mehr und mehr SchĂŒler Hases von dessen strengen GrundsĂ€tzen ab.cite-ref-55[6.3]

Stilelemente

Rundbogenstil

In der Mitte des 19. Jahrhunderts setzten sich die hannoverschen Architekten mehr und mehr von Laves’ klassizistischem Stil ab.cite-ref-56[1.27] Von 1845 bis 1856 errichteten Ernst Ebeling und spĂ€ter Hermann Hunaeus das General-MilitĂ€r-Hospital (nicht erhalten) in der Calenberger Neustadt von Hannover. WĂ€hrend Ebeling hierfĂŒr noch eine verputzte Fassade vorsah, Ă€nderte Hunaeus nach Ebelings Tod die PlĂ€ne hin zu einer Rohbau-Version mit sichtbaren Ziegeln und Sandstein. Ludwig Droste wandte fĂŒr das Lyceum (spĂ€ter Ratsgymnasium) am Georgsplatz (nicht erhalten) bereits den Tramm-Stil an, und auch hier wurden rote Ziegel und Sandstein offen gezeigt. Christian Heinrich Tramm selbst schuf von 1857 bis 1866 das Welfenschloss, das spĂ€ter zum HauptgebĂ€ude der UniversitĂ€t Hannover wurde. Sein charakteristisches Stabwerk und seine baulichen Einzelheiten lassen es nach Ansicht des Bauhistorikers GĂŒnther Kokkelink als Beispiel mit der „reifsten AusprĂ€gung“cite-ref-57[1.28] des Tramm-Stils erscheinen. Als „eine weitere Steigerung“ fĂŒr die plastisch-rĂ€umliche Spielart des Rundbogenstils gilt Kokkelink das spĂ€tere KĂŒnstlerhaus Hannover, erbaut von 1853 bis 1856 als Museum fĂŒr Kunst und Wissenschaft. Der Architekt, Conrad Wilhelm Hase, gestaltete das Äußere mit verschiedenfarbigen Ziegeln und einigen Sandsteindetails, womit er die „Schönheit des Materials“cite-ref-58[1.29] zur Geltung gebracht habe. Das KĂŒnstlerhaus markiere den Höhepunkt des Rundbogenstils in Hannover, der im Vergleich zu anderen StĂ€dten erst recht spĂ€t Verbreitung fand und mehr Variationen aufwies als andernorts.cite-ref-56-1[1.27]

Weitere Beispiele fĂŒr den Rundbogenstil in Hannover sind das Haus der MilitĂ€r-Bekleidungskommission (Hermann Hunaeus, 1859/60),cite-ref-59[1.30] die zur Marienstraße gelegenen GebĂ€ude des Henriettenstifts (Christian Heinrich Tramm, 1861–63),cite-ref-60[1.31] das MarstallgebĂ€ude am Welfenschloss (Eduard Heldberg, 1863–65)cite-ref-61[1.32] und das Doppelwohnhaus an der Prinzenstraße Nr. 4 und 6 (Georg HĂ€gemann, 1869)cite-ref-62[1.33].

Neugotische Hannoversche Schule

Übersicht

Hases Architekturstil – von AnhĂ€ngern und Kritikern gelegentlich auch „Hasik“ genannt – war von der mittelalterlichen Backsteingotik geprĂ€gt, wobei die Statik der GebĂ€ude und das verwendete, vorzugsweise heimische Baumaterial (Holz, Ziegel, Sandstein) fĂŒr den Betrachter sichtbar bleiben sollten. Die durch den Verzicht auf Außenputz erkennbaren Ziegelrohbaufassaden erhielten Backsteinverzierungen, hĂ€ufig glasierte Ziegel und an Formen Deutsches Band sowie Zahnschnitt. Typisch sind Staffelgiebel am Ortgang und SegmentbogenstĂŒrze ĂŒber Fenstern und TĂŒren (Rundbogenstil).

Dachlandschaften

„Bewegte“cite-ref-63[1.34] Dachlandschaften sind eine Besonderheit der Hannoverschen Schule. ZusĂ€tzlich zu Erkern und TĂŒrmchen setzten die Architekten oft Ziergiebel ein, um ein Bauwerk auszustaffieren. In Hannover startete Conrad Wilhelm Hase diese Entwicklung, indem er 1860/61 sein eigenes Wohnhaus mit einem kleinen, backsteinernen Ziergiebel mit Übereckfialen versah. Kurze Zeit spĂ€ter, 1864/65, ĂŒbernahmen seine SchĂŒler Wilhelm Hauers und Wilhelm Schultz diese Stilmittel fĂŒr die Turnhalle des Turn-Klubbs in der hannoverschen Maschstraße. Ein Übereckfialengiebel wurde hier auf einen Dreiecksgiebel gesetzt, was nach Ansicht des Bauhistorikers GĂŒnther Kokkelink in kreativer Weise von den mittelalterlichen Vorbildern abwich. Im Laufe der nĂ€chsten Jahre erreichte die Ziegelindustrie einige technische Fortschritte und konnte stetig vielfĂ€ltigere Formsteine liefern, was den Architekten immer ausgefeiltere Dachlandschaften erlaubte.cite-ref-63-1[1.34] Davon profitierte auch Ludwig FrĂŒhling, der 1886 die Fabrikantenvilla Schwarz in der hannoverschen Parkstraße (heute Wilhelm-Busch-Straße) errichten ließ, versehen mit Ziergiebeln Ă€hnlich denen des Rathauses in Hannover.cite-ref-65[10.1] Karl Börgemanns Grönes Hus von 1899 in der hannoverschen Sextrostraße ĂŒbertraf mit seiner Fassade und Dachlandschaft vorherige Bauten in einfallsreicher Ausgestaltung, Kokkelink spricht hier von einer „phantasievolle[n] Steigerung des Übereckfialengiebels“cite-ref-63-2[1.34]. Das Haus habe sich damit immer weiter von den Eigenarten der mittelalterlichen Bauweise entfernt und markiere den Übergang der Neugotik hin zum Jugendstil.cite-ref-63-3[1.34]

Einsatz von Ziegeln

Der sichtbare Einsatz von Ziegeln zur Verblendung von Fassade spielte in der Hannoverschen Schule eine entscheidende Rolle. Das „Backsteinmaß“ bestimmte die Gestaltung der Mauern und sorgte fĂŒr eine „gleichmĂ€ĂŸige Horizontal-Schichtung“, wie es Theodor Unger in seinem ArchitekturfĂŒhrer 1882 formulierte.cite-ref-66[4.2] Die zwischen den Steinen auftretenden Fugen gliedern den Bau; alle FlĂ€chen, Friese, SĂ€ulen lassen sich in eine bestimmte Anzahl von Backsteinschichten zerlegen.cite-ref-67[1.35] Um die GebĂ€ude mit dekorativen Details zu schmĂŒcken, standen den Architekten und Maurermeistern zahlreiche Mittel zur VerfĂŒgung: Sie nutzen Formsteine oder bedienten sich polychrom gefĂ€rbter Ziegel an einer Fassade (zum Beispiel in rot und gelb, wie beim Clementinenhaus). Daneben kamen in unterschiedlichen Farben glasierte Ziegel zum Einsatz (beispielsweise in braun, schwarz und grĂŒn). Theodor Unger erwies sich jedoch als ausgesprochener Gegner der glasierten Ziegel, denen er eine „beleidigende Wirkung“ nachsagte.cite-ref-68[4.3] Er vertrat die Ansicht, Glasuren gehörten aus dem Backsteinbau „verbannt“ oder zumindest „auf ein Ă€ußerst bescheidenes Maß zurĂŒckgefĂŒhrt“.cite-ref-69[4.4]

Besonders viele und ausgeprĂ€gte Dekorationselemente schmĂŒckten die Prachtvillen, aber auch im ĂŒblichen Wohnungsbau kamen zahlreiche Details vor, die oft erst auf den zweiten Blick zu erkennen sind.cite-ref-67-1[1.35] Nach Ansicht des Bauhistorikers GĂŒnther Kokkelink gingen die Architekten Karl Börgemann und Karl Mohrmann besonders kĂŒhn vor; Kokkelink bezeichnet sie als „Backsteinvirtuosen [
], die sĂ€mtliche ‚Register‘ der hannoverschen Backsteinarchitektur zogen“.cite-ref-8-1[1.6] Von Börgemann stammt zum Beispiel die Villa Willmer (Hannover), deren Turm und FensterbĂ€nder einen „immensen Formenreichtum“cite-ref-8-2[1.6] zeigten. Börgemanns Heiligen-Geist-Stift (Hannover) erhielt ausgedehnte Ornamentfelder und mit der ĂŒbrigen Mauer kontrastierende, farbig glasierte Ziegel. Mit dreidimensional ausgebildetem Rankwerk in den Ornamentfeldern klinge bereits der Jugendstil an, so Kokkelink. Der Architekt sei aber dem Konzept der durchgehenden Fugen treu geblieben und wandte sie sowohl horizontal als auch diagonal an. Am ausgeprĂ€gtesten sei Börgemanns Vorliebe fĂŒr glasierte Ziegel beim Grönen Hus (Hannover) zu beobachten. Hier arbeitete er besonders deutlich mit dem KomplementĂ€rkontrast zwischen grĂŒnen und roten Steinen. Nach Kokkelink kommen an diesem Haus „besonders attraktiv wirkende Glasuren [
] am stĂ€rksten [
] zur Geltung“.cite-ref-8-3[1.6] Das Gröne Hus stelle einen Übergang der Hannoverschen Schule zum Jugendstil dar. Karl Mohrmanns eigenes Wohnhaus am HerrenhĂ€user Kirchweg in Hannover weiche ebenfalls in seinen Details schon stark von der „klassischen“ Lehre ab: Die Giebel erhielten zur Dekoration hell verputzte FlĂ€chen. Daneben gab es auch viele weitere, weniger bekannte Architekten, die das Baumaterial in einem „kreativen spielerischen Umgang“cite-ref-8-4[1.6] einzusetzen gewusst hĂ€tten. Beispielhaft hierfĂŒr ist Friedrich Wedel, der bei Hase gelernt hatte. FĂŒr das von ihm entworfene Wohn- und GeschĂ€ftshaus Callinstraße 4 (Hannover) verwendete er dekorative Formsteine.cite-ref-8-5[1.6]

Typologie beispielhafter Bauten

Sakralbauten

Die Sakralbauten der Hannoverschen Schule nehmen eine besondere Stellung ein. Viele AnhĂ€nger wirkten in erster Linie beim Bau von Kirchen, darunter Johannes Otzen, Christoph Hehl, Johannes Franziskus Klomp, Johannes Vollmer und Eduard Endler. Auch bei Conrad Wilhelm Hase lag der Schwerpunkt hier: Er bearbeitete 171 kirchliche Bauvorhaben (darunter 76 Neubauten), an Profanbauten schuf er 66. Die Hannoversche Schule wurde in der Vergangenheit deswegen oft als „Kirchenstil“ eingeordnet. Diese EinschĂ€tzung greift jedoch bei weitem zu kurz angesichts unzĂ€hliger WohnhĂ€user, Fabriken, Schulen, PostgebĂ€ude und KrankenhĂ€user.cite-ref-70[1.36]

In Deutschland kam es in der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts zu einer regen BautĂ€tigkeit bei Kirchen, deren Höhepunkt zwischen 1880 und 1914 lag. Der Grund dafĂŒr war im Wesentlichen die wachsende Stadtbevölkerung, ausgelöst durch die Industrialisierung. Neue Stadtteile außerhalb des alten Stadtkerns entstanden, es kam vielerorts zur GrĂŒndung neuer Kirchengemeinden. In Hannover begann diese Phase mit dem aufsehenerregenden Bau der Christuskirche 1859.cite-ref-70-1[1.36] Bei Ulrike Faber-Hermann gilt sie „als eigentlicher GrĂŒndungsbau der Hannoversche [sic] Schule“cite-ref-17-2[6.2], GĂŒnther Kokkelink schreibt von einer „architektonische[n] Sensation“cite-ref-71[1.37]. Die Kirche geriet ungewöhnlich groß und prachtvoll. Typisch fĂŒr die frĂŒhe Phase der Hannoverschen Schule ist nach Kokkelink die sehr feinteilig gestaltete, detailreiche Dachlandschaft. In der plastischen Gliederung des Baukörpers gleiche die Christuskirche hingegen spĂ€teren Bauwerken.cite-ref-71-1[1.37] Eine „kĂŒhne Komposition“cite-ref-71-2[1.37] gelang Hase auch bei der Umsetzung des Eingangsbereichs: Die westlichen Eckstrebepfeiler des Turmes sind nach vorne so weit vorgezogen, dass sich dazwischen der Platz fĂŒr eine ĂŒberwölbte Vorhalle ergibt, die Hase mit einem „mĂ€chtigen Wimperg bekrönte“cite-ref-71-3[1.37]. Der Neubau der Christuskirche blieb in Hannover lange Zeit ohne weiteres Beispiel. Erst knapp 20 Jahre spĂ€ter, von 1878 bis 1882, entstand in Linden mit der Zionskirche (heute: Erlöserkirche) die nĂ€chste große Stadtkirche.cite-ref-71-4[1.37] Innerhalb weniger Jahre folgten in Hannover die Apostelkirche und Dreifaltigkeitskirche.cite-ref-72[1.38]

| Bild | GebÀude | Jahr | Ort | Architekt | Beschreibung in der Architekturkritik | Beleg |
|---|---|---|---|---|---|---|
| | Christuskirche | 1859–64 | Hannover-Nordstadt ( Lage 52.381208 9.726177 ) | Conrad Wilhelm Hase | besonders filigrane Dachlandschaft , „PlastizitĂ€t“ der Baukörpergliederung mit spĂ€teren Bauwerken der Hannoverschen Schule vergleichbar | [ 1.39 ] |
| | Neue Synagoge | 1864–70 | Hannover-Calenberger Neustadt ( Lage 52.371961 9.728096 ) | Edwin Oppler | zerstört wĂ€hrend der Novemberpogrome 1938 | |
| | Erlöserkirche (Zionskirche) | 1878–80 | Hannover-Linden SĂŒd ( Lage 52.361773 9.720048 ) | Conrad Wilhelm Hase | dreischiffige, gewölbte Hallenkirche mit nachtrĂ€glich angefĂŒgtem Turm (1882), Einheit mit Pfarrhaus durch dessen Abriss 1980 „gestört“ | [ 1.38 ] |
| | Dreifaltigkeitskirche | 1880–83 | Hannover-Oststadt ( Lage 52.381944 9.753056 ) | Christoph Hehl | Emporenbasilika ; weniger detailreiche Dachlandschaft als frĂŒhere EntwĂŒrfe, PlastizitĂ€t mehr im unteren Bereich herausgearbeitet | [ 1.40 ] |
| | Apostelkirche | 1880–84 | Hannover-Oststadt ( Lage 52.385 9.745278 ) | Conrad Wilhelm Hase | Entwurf Ă€hnelt der Erlöserkirche in Hannover, weist aber eine „neue Disposition“ auf; durch „erstaunliches Gestaltungsvermögen“ Hases einander durchdringende und aneinanderstoßende Baukörper | [ 1.38 ] |
| | Erlöserkirche | 1890–92 | Berlin-Rummelsburg ( Lage 52.501429 13.481217 ) | Conrad Wilhelm Hase | etwas vergrĂ¶ĂŸerte Kopie der hannoverschen Apostelkirche; Emporenbasilika | [ 1.38 ] |
| | Elisabethkirche | 1888/9 | Langenhagen bei Hannover ( Lage 52.447362 9.740651 ) | Conrad Wilhelm Hase | große Gewölbekirche mit schmalen Seitenschiffen; neuer, hoher Westturm aus KostengrĂŒnden verworfen | [ 1.41 ] |

Schlösser

Bei Schlössern gab es unter den Architekten und Bauherren eine Ă€hnliche Begeisterung fĂŒr das Mittelalterliche wie bei Kirchen. Die Schlösser entstanden in Anlehnung an frĂŒhere, wehrhafte Burgen und erhielten deswegen deren typische Gestaltungsmittel wie Zinnen oder TĂŒrme. Nachdem in einer ersten Phase noch erhaltene Burgruinen restauriert wurden, kam es ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einer regen TĂ€tigkeit bei Schlossneubauten, bei der auch die Hannoversche Schule Anwendung fand.cite-ref-76[1.42] Sie durchlebte in den kommenden Jahrzehnten einen Wandel: Die Architekten gingen weg von symmetrischen, kubisch-regelmĂ€ĂŸigen Kastellen, hin zu asymmetrisch aufgebauten Anlagen. WĂ€hrend die von Conrad Wilhelm Hase entworfene Marienburg noch eine recht geordnete Erscheinung zeigte, gestaltete Julius Rasch das Schloss Imbshausen als das erste unregelmĂ€ĂŸige Schloss nach den Prinzipien der Hannoverschen Schule. Als Schlossbaumeister betĂ€tigten sich außer den beiden Genannten auch Edwin Oppler, Christoph Hehl, Karl Börgemann, Adelbert Hotzen und weitere Architekten.cite-ref-77[1.43]

| Bild | GebÀude | Jahr | Ort | Architekt | Beschreibung in der Architekturkritik | Beleg |
|---|---|---|---|---|---|---|
| | Schloss Marienburg | 1858–62 | Pattensen ( Lage 52.172778 9.766111 ) | Conrad Wilhelm Hase | weitgehend symmetrische, vierflĂŒglige Kastell-Anlage nach mittelalterlichem Vorbild; teils einfach gestaltete Baukörper, teils detailreich | [ 1.43 ] |
| | Schloss Hastenbeck | 1860 | nahe Hameln ( Lage 52.07697 9.415527 ) | Adelbert Hotzen | gewinkelter Grundriss mit großem Turm (oberer Teil unvollendet); viele Anlehnungen an die Marienburg | [ 1.44 ] |
| | Schloss Imbshausen | 1862–64 | nahe Northeim ( Lage 51.760363 10.040764 ) | Julius Rasch | neue Außenarchitektur fĂŒr eine bestehende Anlage aus dem 16. Jahrhundert; grundlegend verĂ€nderte Raumeinteilung | [ 1.45 ] |

Rat- und StÀndehÀuser, Gerichte

RathĂ€user verkörperten von jeher die bĂŒrgerliche Freiheit und SelbststĂ€ndigkeit, was die GebĂ€ude bis ins 20. Jahrhundert zu den wichtigsten und reprĂ€sentativsten Profanbauten machte.cite-ref-80[1.46] Die im Zuge der Industrialisierung stark wachsende Stadtbevölkerung sorgte dafĂŒr, dass auch die Verwaltungsaufgaben deutlich zunahmen. FĂŒr die RathĂ€user bedeutete dies zahlreiche Umbauten, Erweiterungen oder Neubauten. Diesen Bauvorhaben lagen jedoch nicht ausschließlich praktische Gesichtspunkte zugrunde, die RathĂ€user erfĂŒllten auch eine wichtige gesellschaftliche Funktion. An ihnen ließ sich architektonisch abbilden, wie stolz und bedeutend eine Stadt geworden war.cite-ref-80-1[1.46]

Über das Rathaus in Hannover urteilt der Bauhistoriker GĂŒnther Kokkelink, es habe im norddeutschen Raum Vorbildcharakter fĂŒr andere StĂ€dte besessen.cite-ref-81[1.47] Der aus dem Mittelalter stammende Bau wurde zwischen 1839 und 1891 mehrfach erweitert und restauriert. Begonnen hatte diese Phase der Umgestaltung bereits 1826, als der Stadtdirektor Wilhelm Rumann plante, das alte Rathaus abreißen zu lassen.cite-ref-80-2[1.46] Nach seiner Vorstellung sollte an der gleichen Stelle ein grĂ¶ĂŸerer Neubau entstehen, der doppelt so viel NutzflĂ€che wie das alte GebĂ€ude geboten hĂ€tte. Der Entwurf kam vom Stadtbaumeister August Andreae, der ein viergeschossiges Haus im Rundbogenstil vorsah. Das Vorhaben stieß jedoch auf massiven Widerstand bei den BĂŒrgern und dem BĂŒrgervorsteher-Kollegium, sodass Rumann von der AusfĂŒhrung abrĂŒckte. Stattdessen beantragte er erfolgreich den Neubau eines innenliegenden „Gefangenenhauses“cite-ref-82[1.48] als Erweiterung des Rathauses. Andreae gestaltete es von 1839 bis 1841 in Anlehnung an den Rundbogenstil, stattete den Trakt aber auch mit bis dahin weitgehend unbekannten Stilelementen aus. Über Backsteinreliefs, zweigeschossige Blendarkaden, Segmentbögen und Lisenen entwickelte Andreae eine Formensprache, die spĂ€ter von der Hannoverschen Schule aufgegriffen wurde.cite-ref-82-1[1.48] Nach dem Gefangenenhaus folgte bis 1850 der GerichtsflĂŒgel entlang der Köblinger Straße, fĂŒr den zuvor der ehemalige ApothekenflĂŒgel abgebrochen werden musste. Die Fassade des GerichtsflĂŒgels fĂŒhrte Andreae mit „norditalienisch-romanischen“cite-ref-82-2[1.48] Formen aus, weswegen der GebĂ€udeteil im Volksmund schnell den Beinamen „Dogenpalast“cite-ref-82-3[1.48] erhielt. In den folgenden zwanzig Jahren kam es wieder zu Protesten, der den Weiterbau neuer Trakte verhinderte. Erst Ende des Jahres 1863 beauftragte der Magistrat den hannoverschen Architekten- und Ingenieur-Verein damit, ein Wiederherstellungs- und Nutzungskonzept fĂŒr das Rathaus zu erarbeiten. Die Diskussionen ĂŒber das Konzept dauerten gut zehn Jahre an, ehe 1875 Conrad Wilhelm Hase berufen wurde, PlĂ€ne fĂŒr die Restaurierung zu erstellen. Hases EntwĂŒrfe fanden Anklang beim Magistrat, der Anfang 1877 deren AusfĂŒhrung beschloss. In Hases PlĂ€nen war „der mittelalterliche Zustand unter Fortlassung aller spĂ€terer HinzufĂŒgungen“cite-ref-83[1.49] vorgesehen; bei der AusfĂŒhrung wurden die PlĂ€ne nur leicht geĂ€ndert, indem noch einige Treppen und ZwischenwĂ€nde ergĂ€nzt wurden. Die Restaurierungsarbeiten fĂŒr das Äußere des MarktflĂŒgels konnten 1879 abgeschlossen werden, wĂ€hrend die Arbeiten im Innern noch bis 1882 andauerten. Zur Zeit der Einweihung fand in Hannover eine Generalversammlung der deutschen Architekten und Ingenieure statt. Deren Teilnehmer lobten an Hases EntwĂŒrfen die „konzeptionelle Einheitlichkeit, die allumfassende Durchgliederung des Inneren und Äußeren“ und „die totale Wiederherstellung des gotischen Zustandes“.cite-ref-83-1[1.49] Nach Ansicht von GĂŒnther Kokkelink ging Hase beim Rathaus in Hannover sehr zurĂŒckhaltend vor, wie er mit seinem Leitsatz „Festhalten am Alten“ gefordert hatte.cite-ref-84[1.50] Die „EhrwĂŒrdigkeit des alten Monuments“ habe fĂŒr Hase grĂ¶ĂŸere Wichtigkeit besessen als die „subjektiven kĂŒnstlerischen Ambitionen“.cite-ref-84-1[1.50] Als letzter Teil des Rathauses entstand von 1890 bis 1891 der neue „Hase-FlĂŒgel“ zur Karmarschstraße.cite-ref-85[1.51] Der nach SĂŒdosten weisende FlĂŒgel wurde nötig, nachdem zuvor die Grupenstraße angelegt worden war. Diese, heute Karmarschstraße genannt, fĂŒhrte als Durchbruch quer durch die Altstadt, um eine schnelle Verbindung des Bahnhofs mit der westlich gelegenen Stadt Linden zu gewĂ€hrleisten. Aus ReprĂ€sentationszwecken gab Hase dem FlĂŒgel ein weiteres Stockwerk und einen „prĂ€chtigen“cite-ref-85-1[1.51] Mittelgiebel. An seinen Stirnseiten erhielt der FlĂŒgel Übereckfialengiebel, die das Rathaus nach SĂŒdosten in fast symmetrischer Weise flankieren.cite-ref-85-2[1.51]

Der hannoversche Fall wirkte in der Folgezeit „animierend auf andere nordwestdeutsche StĂ€dte mit gotischen RathĂ€usern“cite-ref-83-2[1.49]: Die Stadtplaner bevorzugten nun oft Gesamtrestaurierungen gegenĂŒber selektiven Teilrestaurierungen. Bereits wenige Monate nach der Einweihung in Hannover entwarf Heinrich Gerber den Plan fĂŒr eine Gesamtrestaurierung des Göttinger Rathauses. Diese wurde zwischen 1883 und 1886 realisiert. In Hildesheim leitete Gustav Schwartz die umfassende Restaurierung des Rathauses, ausgefĂŒhrt von 1883 bis 1887. In LĂŒbeck war es Adolf Schwiening, der 1883 einen Plan fĂŒr die Gesamtrestaurierung des dortigen Rathauses vorlegte. Alle drei – Gerber, Schwartz und Schwiening – hatten bei Hase gelernt.

| Bild | GebÀude | Jahr | Ort | Architekt | Beschreibung in der Architekturkritik | Beleg |
|---|---|---|---|---|---|---|
| | Altes Rathaus Hannover | 1878–82 (MarktflĂŒgel, Bild) und 1890/91 („Hase-FlĂŒgel“) | Hannover-Mitte ( Lage 52.371244 9.736036 ) | Conrad Wilhelm Hase | umfangreiche Restaurierung des mittelalterlichen GebĂ€udes; spĂ€ter ErgĂ€nzung des SĂŒdflĂŒgels („Hase-FlĂŒgel“) zur neu angelegten Grupenstraße (heute Karmarschstraße); Markt- und Hase-FlĂŒgel mit stirnseitigen Übereckfialengiebeln, Hase-FlĂŒgel um ein Stockwerk höher als der MarktflĂŒgel und mit einem „prĂ€chtigen“ Mittelgiebel | [ 1.47 ] |
| | Altes Lindener Rathaus | 1883–84 | Hannover-Linden Mitte ( Lage 52.365952 9.719557 ) | Christoph Hehl | an „stĂ€dtebaulich wirkungsvoll[em]“ Standort an einer Weggabelung; Ratssaal mit drei „prĂ€chtigen“ Segmentbogenfenstern; Dachlandschaft mit Übereckfialengiebel, EcktĂŒrmchen und spitzer Dachreiter mit Glocke im Krieg zerstört | [ 1.51 ] |
| | Rathaus LĂŒbeck | 1887–94 | LĂŒbeck , Breite Straße ( Lage 53.867031 10.685483 ) | Adolf Schwiening | umfangreiche Sanierung durch Schwiening; neue, „monumentale“ Nordfassade als Ausdruck „hanseatischen Selbstbewußtseins“ | [ 1.52 ] |
| | StĂ€ndehaus Rostock | 1889–93 | Rostock , Wallstraße ( Lage 54.086933 12.139761 ) | Gotthilf Ludwig Möckel | annĂ€hernd quadratisches GebĂ€ude, „systematisch [
] gegliedert“, Ă€hnlich Schinkels Bauakademie ; ĂŒberdachter Innenhof mit „reprĂ€sentativer“ Treppenanlage | [ 1.53 ] |
| | GerichtsgebĂ€ude in LĂŒbeck | 1894–96 | LĂŒbeck , Große Burgstraße ( Lage 53.873517 10.690718 ) | Adolf Schwiening | | |

Museumsbauten

Die meisten Museen wĂ€hrend der neugotischen Bauphase entstanden in den 1880er und 1890er Jahren, von dem Kunsthistoriker Volker Plagemann als eine Zeit des staatlichen Museumsbaus bezeichnet.cite-ref-88[1.54] Dieser Zeit vorangegangen waren die Phasen des fĂŒrstlichen (1815–1848) und des bĂŒrgerlichen (bis 1870) Museumsbaus, Von der letztgenannten wirkten die Prinzipien einer „monumentalen Ă€ußeren Erscheinung“cite-ref-88-1[1.54] der HĂ€user noch bis zur Jahrhundertwende nach. Demnach erhielten die Museen als wichtige Bildungseinrichtung reprĂ€sentative GebĂ€ude. FĂŒr viele Bauvorhaben galt als Vorbild die Dresdner GemĂ€ldegalerie, errichtet 1847–55 von Gottfried Semper. Ihr Äußeres im Stil der Neorenaissance wurde neben klassizistischen Kunst-Tempeln zum Standard im Museumsbau. Die Hannoversche Schule konnte sich daher fĂŒr solche Bauaufgaben nur in ihren Hochburgen durchsetzen.cite-ref-88-2[1.54]

| Bild | GebÀude | Jahr | Ort | Architekt | Beschreibung in der Architekturkritik | Beleg |
|---|---|---|---|---|---|---|
| | KĂŒnstlerhaus Hannover | 1853–56 | Hannover-Mitte ( Lage 52.372789 9.743242 ) | Conrad Wilhelm Hase | frĂŒhes GebĂ€ude, das mit sichtbaren Ziegeln ausgefĂŒhrt wurde; mit mehrfarbigen Ziegeln und „sorgfĂ€ltig gearbeiteten Sandsteinelementen“, dazu dekorative Details, die fast „exotisch“ wirkten; goldene Ehrenmedaille des Königs zur besonderen WĂŒrdigung Hases | [ 1.55 ] |
| | Cumberlandsche GemĂ€ldegalerie | 1883–86 | Hannover-Mitte ( Lage 52.37329 9.74318 ) | Otto Goetze | Erscheinung eines „Àußerlich schlichten Zweckbaus“, der an IndustriegebĂ€ude erinnert; innen „reprĂ€sentatives“ Treppenhaus mit „dekorativen“ Eisenkonstruktionen | [ 1.56 ] |
| | Museum fĂŒr das FĂŒrstentum LĂŒneburg | 1889–91 | LĂŒneburg , Wandrahmstraße ( Lage 53.246462 10.415917 ) | Ferdinand MĂŒnzenberger | Kombination aus Rundbogenstils, Hannoverscher Schule und mĂ€rkischer Architektur; im Zweiten Weltkrieg grĂ¶ĂŸtenteils zerstört, 1970 erneuert und erweitert | [ 1.56 ] |

SchulgebÀude und Turnhallen

Ausgelöst durch die Industrialisierung kam es in der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts zu einem starken Anwachsen der Stadtbevölkerung.cite-ref-91[1.57] Neben anderen Herausforderungen im Bereich des Wohnungsbaus und der Infrastruktur mussten innerhalb weniger Jahre auch zahlreiche SchulgebĂ€ude neu errichtet werden. In Hannover stieg die SchĂŒlerzahl in Volksschulen von rund 7.500 im Jahr 1876 auf knapp 27.000 im Jahr 1905. Es entstanden verschiedene Schultypen fĂŒr unterschiedliche Anforderungen: Gymnasien und Reformgymnasien, Höhere Töchterschulen, Realschulen, BĂŒrgerschulen, Volksschulen, Blinden- und Taubstummenschulen, Schulen fĂŒr Angehörige religiöser Minderheiten und Hilfsschulen. Innerhalb der Schultypen gab es eine Hierarchie, bei der Gymnasien und Realschulen zum obersten Rang zĂ€hlten und deswegen gestalterisch am aufwĂ€ndigsten ausgefĂŒhrt wurden. Der Grundsatz der Hannoverschen Schule, den Ziegel unverputzt einzusetzen, ersparte der Stadtverwaltung Kosten.cite-ref-91-1[1.57]

FĂŒr die im 19. Jahrhundert entstandenen Turnhallen gab es keine vormodernen Vorbilder.cite-ref-92[1.58] Die Architekten leiteten ihre EntwĂŒrfe daher zunĂ€chst von VersammlungsrĂ€umen ab, wie sie in Kirchen oder Schulen genutzt wurden. Die aufkommende Turnbewegung unter dem „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn diente der Freizeitgestaltung, sollte die Deutschen aber auch fĂŒr kriegerische Auseinandersetzungen in Form bringen. Das Logo der Bewegung, das Turnerkreuz, kam erstmals 1846 auf. Es ist aus vier „F“ zusammengesetzt, die fĂŒr das Motto der Bewegung „frisch, fromm, fröhlich, frei“ stehen. Viele Turnhallen der Hannoverschen Schule erhielten das Kreuz zur Zierde.cite-ref-92-1[1.58] Die Turnhalle in der hannoverschen Maschstraße erbauten Wilhelm Hauers und Wilhelm Schultz. In den Jahren 1864/65 entstanden, ist sie vermutlich das Ă€lteste erhaltene GebĂ€ude des Stadtteils SĂŒdstadt. Sie gehört außerdem zu den Hallen, die schon sehr frĂŒh fĂŒr einen Turnerbund errichtet wurden. Der Bau ist mit 15 Fensterachsen sehr breit gelagert. UrsprĂŒnglich umfasste er nur zwei Geschosse, wurde dann aber bei der Beseitigung der SchĂ€den des Zweiten Weltkriegs aufgestockt. Eine Besonderheit der Halle ist ihr außermittig angeordneter Eingangsrisalit mit Dreiecksgiebel und aufgesetztem Übereckfialengiebel. Im Innern lĂ€sst sich außerdem die Tragstruktur erkennen, sie besteht aus mit Spitzbögen verbundenen StĂŒtzen. Laut dem denkmaltopographischen Atlas von 1983 besitze die Turnhalle trotz des nachtrĂ€glichen Umbaus fĂŒr Hannover eine große Bedeutung.cite-ref-93[10.2]

| Bild | GebÀude | Jahr | Ort | Architekt | Beschreibung in der Architekturkritik | Beleg |
|---|---|---|---|---|---|---|
| | Ehem. Mittelschule Davenstedter Straße | 1885 | Hannover-Linden Mitte ( Lage 52.367792 9.712525 ) | Friedrich Knust | schlichte Erscheinung Ă€hnlich der von Industriebauten, wenige neugotische Elemente, nur zweigeschössige Blendbögen, Rautenfriese mit grĂŒn glasierten Ziegeln und ein Bogen fries am Trauf gesims | [ 1.59 ] |
| | Schule Kestnerstraße | 1887/88 | Hannover-SĂŒdstadt ( Lage 52.371321 9.757113 ) | Eberhard Hillebrand | „klassische“ Hannoversche Schule: einfache Gestaltungsmittel fĂŒr sparsame ZweckmĂ€ĂŸigkeit des Ziegels; glasierte Ziegel, SohlbĂ€nke und einfache Rauten friese betonen die Horizontale; Risalite und Staffelgiebel betonen die Vertikale | [ 1.59 ] |
| | Ehem. BĂŒrgerschule Edenstraße | 1892/93 | Hannover-List ( Lage 52.387934 9.747259 ) | Paul Rowald | Neugotik ĂŒber zweigeschossige Blendbögen, Staffelgiebel an den Treppenhaus- Risaliten und grĂŒn glasierte Ziegel, Abmilderung durch Eingangsportale mit Rundbögen (zur Edenstraße), keine Spitzbögen , dafĂŒr Mansarddach | [ 1.59 ] |
| | Ehem. Provinzial-Blindenanstalt | 1892/93 | Hannover-Kleefeld ( Lage 52.371001 9.792242 ) | (Gustav?) Schaumann | von der Straße zurĂŒckgesetzter Bau mit drei Geschossen, QuerflĂŒgel zur Straße als Risalite angedeutet; mit gotischen Formen gegliedert und dekoriert; Hauptportal des MittelflĂŒgels mit hohen Spitzbogenfenstern am Betsaal; heute als Schule genutzt | [ 11.1 ] |
| | Schule Alemannstraße | 1893–95 | Hannover-Vahrenwald ( Lage 52.392517 9.731589 ) | Paul Rowald | SchulgebĂ€ude fĂŒr 28 Klassen; zweigeschossige Blendbögen nach Wilsdorffschem Schema, aber mit höheren und bereiten Risaliten an den Ecken als an den TreppenhĂ€usern; flache Korbbögen , kielbogige Archivolte und helle Maßwerkfelder weichen deutlich von den Details der „klassischen“ Hannoverschen Schule ab | [ 1.59 ] |
| | Hannoverscher Turn-Klubb | 1864/65 | Hannover-SĂŒdstadt ( Lage 52.366282 9.743152 ) | Wilhelm Hauers und Wilhelm Schultz | zeitgenössisches „AushĂ€ngeschild“ der Hannoverschen Schule; Eingang mit Turnerkreuz auf Dreiecksgiebel, der mit Übereckfialen gekrönt ist; grĂŒn oder schwarz glasierte Formsteine | [ 1.58 ] |

KrankenhÀuser und Heime

Kirchliche HospitĂ€ler gab es bereits im Mittelalter, die meist nahe dem Stadtzentrum errichtet wurden. Hinzu kamen „SiechenhĂ€user“cite-ref-97[1.60] (wie zum Beispiel PesthĂ€user), die außerhalb der Stadt entstanden, um die Ausbreitung von Seuchen zu vermeiden. Im 19. Jahrhundert entstanden erstmals Krankenhausbauten fĂŒr spezifische BedĂŒrfnisse, nachdem wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Anforderungen fĂŒr bestimmte Therapien ausgearbeitet worden waren. Zu dieser Zeit wurde auch das Konzept der Pavillons populĂ€r. Außer den allgemeinen HospitĂ€lern entstanden auch Fachkliniken, beispielsweise GeburtenhĂ€user oder KinderkrankenhĂ€user.cite-ref-97-1[1.60]

FĂŒr psychisch erkrankte Menschen ließ König Georg V. gegen 1860 zwei kleinere Landes-Irrenanstalten bauen.cite-ref-97-2[1.60] In den beiden HĂ€usern, eines in OsnabrĂŒck und eines in Göttingen angesiedelt, sollten jeweils 200 Personen untergebracht werden konnten. Adolf Funk und Julius Rasch entwarfen die Göttinger Einrichtung als geschlossene, symmetrische Anlage, in deren Zentrum ein Garten angelegt wurde. Die meisten GebĂ€ude gestalteten die Architekten im Rundbogenstil oder in einer „noch eher klassizistisch geprĂ€gten Neugotik“, wie es der Bauhistoriker GĂŒnther Kokkelink formuliert.cite-ref-97-3[1.60] Bei der Kapelle entschied sich Rasch fĂŒr die Hannoversche Schule – wahrscheinlich ganz bewusst, wie in der Literatur vermutet wird. Innerhalb der Anlage kam der Kapelle eine besondere Bedeutung zu: Sie sollte mit ihren „schönen Gewölben“ einer normalen Dorfkirche gleichen und so zur Linderung der physischen Leiden beitragen. Ein bloßer Betsaal innerhalb des GebĂ€udes wurde als nicht ausreichend angesehen, um Trost und Kraft zu spenden. Da fĂŒr die gesamte Anlage nicht genug gleiches Baumaterial zu erhalten war, musste Rasch verschiedene Steinsorten mischen, darunter Sandstein, Tuffstein, Backstein und gelbe Verblendziegel.cite-ref-97-4[1.60]

Mit gelben Ziegeln verblendete Christoph Hehl das Clementinenhaus, entstanden 1885 bis 1887 in Hannover-List. Mit farblich abgesetzten Ziegeln in rot griff er die Idee der Backsteinpolychromie wieder auf, die Conrad Wilhelm Hase bereits 1856 beim heutigen KĂŒnstlerhaus angewandt hatte.cite-ref-98[1.61] Der erhaltene, zweieinhalbgeschossige Bau ist heute der Ă€lteste Teil des Krankenhauses. Das GebĂ€ude steht frei und etwas von der angrenzenden LĂŒtzerodestraße zurĂŒckversetzt, mit einer Ausrichtung von Ost nach West und der Schauseite nach SĂŒden. Die Fassade ist symmetrisch aufgebaut mit drei ĂŒbergiebelten Risaliten. Der mittlere davon nimmt den Eingang auf und ist deswegen etwas breiter und höher ausgefĂŒhrt als die seitlichen Risalite.cite-ref-99[10.3]

In der hannoverschen Heiligengeistraße wurde von 1892 bis 1895 das Hospital St. Spiritus (Heiligengeiststift) erbaut.cite-ref-100[10.4] Karl Börgemann wĂ€hlte dafĂŒr Gestaltungselemente der „klassischen“ Hannoverschen Schule. Es entstand eine SĂŒdfassade von 76 m LĂ€nge. Sie erhielt einen Mittelrisalit mit einem „prĂ€chtigen“cite-ref-101[1.62] Übereckfialengiebel, außerdem zwei Seitenrisalite, die auf die rĂŒckwĂ€rtigen SeitenflĂŒgel hinweisen.cite-ref-101-1[1.62] In der Horizontalen wird die Fassade von unterschiedlich farbigen BacksteinbĂ€ndern gegliedert, außerdem variieren die Gesimse. Das dritte Geschoss ist von den unteren hervorgehoben, hier wechseln sich Doppelfenster und Blendarkaden ab. Der Mittelrisalit trĂ€gt zudem dunkelgrĂŒn glasierte Kacheln, die ihn zusĂ€tzlich strukturieren.cite-ref-100-1[10.4] Das GebĂ€ude des Heiligengeiststifts gehört zu den „eindrucksvollsten“cite-ref-101-2[1.62] Profanbauten der Hannoverschen Schule, die erhalten geblieben sind.

| Bild | GebÀude | Jahr | Ort | Architekt | Beschreibung in der Architekturkritik | Beleg |
|---|---|---|---|---|---|---|
| | Irrenanstalt Göttingen | 1866 (Eröffnung) | Göttingen ( Lage 51.52414 9.918561 ) | Adolf Funk und Julius Rasch | ĂŒberwiegend im Rundbogenstil gehaltener, geschlossener Komplex mit zentralem Garten; Kapelle nach Hannoverscher Schule | [ 1.60 ] |
| | Alt-Bethesda (Ursprungsbau / Erweiterung) | 1873–75, 1884 (Erweiterung) | Hannover-Kirchrode ( Lage 52.362425 9.828374 ) | Heinrich Wegener, PlĂ€ne von Adelbert Hotzen | Ursprungsbau: Segmentbogenfenster „originiell ausgebildet“ mit „ungewöhnlich gemauertem Maßwerk“ in abgewandelter Dreipass -Form; Erweiterung: gotisierende ZwerchhĂ€user zu den Traufseiten, mit Treppengiebel und fialartiger Bekrönung; gekuppelte Fenster, glasierte Ziegel und SohlbĂ€nke | [ 1.63 ] , [ 11.2 ] |
| | Clementinen-Krankenhaus | 1885–87 | Hannover-List ( Lage 52.386442 9.744996 ) | Christoph Hehl | polychrome Backsteinfassade in gelb mit roten Akzenten | [ 1.61 ] |
| | Heiligengeiststift | 1892–95 | Hannover-Bult ( Lage 52.36784 9.76823 ) | Karl Börgemann | Anlage nach „klassischer“ Hannoverscher Schule, einer der „eindrucksvollsten“ Profanbauten, der erhalten blieb; „aufwendig[e]“ SĂŒdfassade „geschmĂŒckt“ mit einem Übereckfialiengiebel am Mittelrisalit, Ornamente und Rankwerk | [ 1.62 ] |

Villen und EinfamilienhÀuser

Die Villa Willmer war die „prĂ€chtigste und grĂ¶ĂŸte“cite-ref-104[1.64] Villa, die nach den Prinzipien der „klassischen“ Hannoverschen Schule erbaut wurden. Karl Börgemann entwarf das 1884–86 entstandene GebĂ€ude fĂŒr den hannoverschen Ziegelproduzenten Friedrich Willmer. Das Haus befand sich in Hannover-Waldhausen und kostete seinerzeit die gewaltige Summe von rund 2 Mio. Goldmark und war etwa dreimal so groß wie ĂŒbliche Villen. Willmer hatte es dank der Hannoverschen Schule zu Reichtum gebracht, die ĂŒberall entstehenden Ziegelbauten sorgten fĂŒr großen Umsatz. Die Villa besaß einen winkelförmigen Grundriss und enthielt etwa 75 Zimmer, von denen sich ĂŒber 50 in den drei Wohngeschossen befanden. In seiner GrĂ¶ĂŸe und Ausgestaltung glich das Haus eher einem Schloss als einer Villa. Der im Volksmund entstandene Beiname TrĂ€nenburg rĂŒhrt vermutlich daher, dass Willmer seine Arbeiter schlecht behandelte und diese fĂŒr den Bau des Hauses viele „TrĂ€nen“ vergossen. Den Zweiten Weltkrieg ĂŒberstand das GebĂ€ude annĂ€hernd unbeschadet. Dennoch wurde es 1971 trotz weitreichender BĂŒrgerproteste fĂŒr ein letztlich nie umgesetztes Neubauprojekt abgerissen.cite-ref-104-1[1.64]

In Kassel war die von Wilhelm LĂŒer und Conrad Wilhelm Hase errichtete sogenannte Villa Glitzerburg (eigentlich Villa Wedekind) ein vielbeachtetes im Stil der Hannoverschen Schule entstandenes Bauwerk. Es war seinerzeit das grĂ¶ĂŸte private Wohnhaus in Kassel.

Um die Jahrhundertwende nahmen die GrundstĂŒckspreise oft soweit zu, dass EinfamilienhĂ€user zusammengefasst wurden.cite-ref-105[1.65] Ein herausragendes Beispiel hierfĂŒr stellt das Wohnhaus des Architekten Karl Mohrmann in Hannover dar, in den BlĂ€ttern fĂŒr Architektur und Kunsthandwerk 1913 als „eines der gelungensten und bezeichnendsten [WohnhĂ€user] der neueren Hannoveraner Bauweise“cite-ref-kokkelink-bak-106-0[12] beschrieben. Entgegen den ĂŒblichen Gestaltungsprinzipien der Hannoverschen Schule wĂ€hlte Mohrmann fĂŒr sein Haus einen Rechteckfialen- beziehungsweise Pfeilergiebel, in den er bemalte Putzfelder integrierte. Ein solches Motiv stammt eher von gotischen Bauwerken an der Ostsee als aus der Umgebung Hannovers. Die Hausecke betonte Mohrmann mit einem „mĂ€chtigen“cite-ref-105-1[1.65] Turm, der eine von Zinnen bewehrte Aussichtsplattform besaß.

Einige Jahre vor dem Haus Mohrmann, um 1890, entstand eine Villengruppe am westlichen Ende der hannoverschen Callinstraße. Die EinmĂŒndung in die Nienburger Straße wird mit dem linken Turm der Doppelvilla Nr. 48/50 hervorgehoben. Die TĂŒrme bilden mit ihren Spitzhelmen ein typisches Merkmal der Hannoverschen Schule, ebenso die Ziergiebel.cite-ref-6-1[1.4]

| Bild | GebÀude | Jahr | Ort | Architekt | Beschreibung in der Architekturkritik | Beleg |
|---|---|---|---|---|---|---|
| | Villa Willmer | 1884–86 | Hannover-Waldhausen ( Lage 52.345696 9.761154 ) | Karl Börgemann | herausragender Prachtbau mit „schloßartige[r]“ Erscheinung, grĂ¶ĂŸte Villa im Stile der „klassischen“ Hannoverschen Schule | [ 1.64 ] |
| | Villa Schwarz | 1886 | Hannover-Nordstadt ( Lage 52.381301 9.721722 ) | Ludwig FrĂŒhling | zweigeschossige Villa mit unregelmĂ€ĂŸigem Grundriss; aufwĂ€ndiger, dem Rathaus entlehnter Fialengiebel zum Park orientiert, Giebel zum Garten kriegsbedingt zerstört; erbaut fĂŒr den Fabrikanten Carl Schwarz, spĂ€ter von einer studentischen Verbindung genutzt | [ 1.66 ] , [ 10.1 ] |
| | Villengruppe Callinstraße | 1890 | Hannover-Nordstadt ( Lage 52.388624 9.708859 ) | Otto Goetze | typische Prachtbauten mit Ziergiebeln und Spitzhelm-TĂŒrmchen | [ 1.4 ] |
| | Haus Mohrmann | etwa 1900 | Hannover-Nordstadt ( Lage 52.392037 9.710322 ) | Karl Mohrmann | Eckhaus fĂŒr zwei Familien mit mĂ€chtigem Aussichtsturm und Pfeilergiebel mit bemalten Putzgiebeln; nach Kriegszerstörungen in den 2010er Jahren weitgehend originalgetreu restauriert | [ 1.65 ] , [ 13 ] |

PfarrhÀuser

PfarrhĂ€user sind eine spezielle Form des Wohnhauses. Beim Kunsthistoriker GĂŒnther Kokkelink heißt es, sie seien im 19. Jahrhundert oft mit einem eigenen gestalterischen Anspruch ausgefĂŒhrt worden.cite-ref-109[1.67] FĂŒr diese Bauaufgabe habe sich die Neugotik als besonders passend erwiesen. Ihre Formensprache mittelalterlicher Sakralbauten eignete sich sehr gut dazu, den Zweck des Pfarrhauses zu unterstreichen. Auf dem Lande erhielten die PfarrhĂ€user oft NebengebĂ€ude fĂŒr Stallungen oder als Schuppen, meist gestalterisch zurĂŒckgenommen. Ende des 19. Jahrhunderts entstanden oft in „malerischer Gruppierung“cite-ref-109-1[1.67] Ensembles aus Kirchen und PfarrhĂ€usern.

Ludwig FrĂŒhling entwarf 1883/84 das Pfarrhaus fĂŒr die Marktkirchengemeinde am Marktplatz in Hannover. Das Haus korrespondiert ĂŒber seine drei „prĂ€chtigen“cite-ref-109-2[1.67] Übereckfialengiebel mit dem nahegelegenen Rathaus, das Conrad Wilhelm Hase wenige Jahre zuvor saniert hatte.cite-ref-109-3[1.67]

Das Pfarrhaus der hannoverschen Christuskirche stammt von Karl Börgemann. Das große, „imposante“cite-ref-109-4[1.67] EckgebĂ€ude beherbergt neben den Wohnungen fĂŒr mehrere Familien auch RĂ€ume fĂŒr andere, kirchenrelevante Zwecke, wie eine Bibliothek oder VersammlungsrĂ€ume. Das 1905/06 entstandene Haus besitzt einen Eckturm und hohe Treppengiebel, die Fassade ist mit grĂŒn glasierten Ziegel ausgestattet. Wie ĂŒblich fĂŒr spĂ€te Bauten der Hannoverschen Schule ist das Haus mit grĂ¶ĂŸeren FlĂ€chen versehen und zeigt weniger kleinteilige Details. Nach Kriegszerstörungen wurde es zwischen 1946 und 1948 in der alten Form wiederaufgebaut.cite-ref-109-5[1.67]

| Bild | GebÀude | Jahr | Ort | Architekt | Beschreibung in der Architekturkritik | Beleg |
|---|---|---|---|---|---|---|
| | Pfarrhaus Kleefeld | 1877 | Hannover-Kleefeld ( Lage 52.37372 9.785553 ) | Ludwig FrĂŒhling | Backsteinbau von „einfacher Ziegelziersetzung“, gleichzeitig mit dem nahegelegenen Kindergarten Kapellenstraße Nr. 7 entstanden | [ 11.3 ] |
| | Pfarrhaus der Marktkirchengemeinde | 1883/84 | Hannover-Mitte ( Lage 52.372099 9.734716 ) | Ludwig FrĂŒhling | Teil der neuen Platzfront; Haus mit drei „prĂ€chtigen“ Übereckfialengiebeln, passend zum nahegelegenen Rathaus | [ 1.67 ] |
| | Pfarrhaus der Christuskirche | 1905/06 | Hannover-Nordstadt ( Lage 52.38125 9.72442 ) | Karl Börgemann | „imposante[s]“ Eckhaus mit Turm; AusfĂŒhrung nach spĂ€ter Art der Hannoverschen Schule, mehr flĂ€chig und mit weniger kleinteiligen Details | [ 1.68 ] |
| | Pfarrhaus der Lutherkirche | | Hannover-Nordstadt ( Lage 52.387104 9.720704 ) | | | [ 14 ] |

WohnhÀuser, Wohn- und GeschÀftshÀuser

Conrad Wilhelm Hase und Adelbert Hotzen fĂŒhrten die Hannoversche Schule in den 1860er Jahren auch bei WohnhĂ€usern ein.cite-ref-6-3[1.4] ZunĂ€chst fand der gotische Stil bei Adeligen Anklang, daneben begeisterten sich auch einige wohlhabende und kunstinteressierte BĂŒrger dafĂŒr. Die Backsteinarchitektur wurde damals als „deutsch“ empfunden, anders als Putzbauten schienen diese Bauten „ehrlich“ zu sein.cite-ref-6-4[1.4] Manche freiberuflich tĂ€tige Architekten bewarben ihr Können, indem sie auf eigene Rechnung „neugotische ‚MusterhĂ€user‘“cite-ref-6-5[1.4] errichteten, die sie dann bezugsfertig verĂ€ußerten. WĂ€hrend Villen auf weitlĂ€ufigen, parkĂ€hnlichen GrundstĂŒcken entstanden, mussten die WohnhĂ€user in weniger vornehmen Wohngegenden mit kleinen Parzellen auskommen. Hier hing der die Wirkung eines Baus direkt von den umgebenden HĂ€usern ab, weshalb ein Architekt oft gleich mehrere, zusammenhĂ€ngende GrundstĂŒcke bebaute. Nach Ansicht des Bauhistorikers GĂŒnther Kokkelink wurde so ein einheitlicher Stil und damit eine grĂ¶ĂŸere stĂ€dtebauliche Wirkung erzielt.cite-ref-6-6[1.4] EckhĂ€user erhielten oft einen Turm und konnten so eine noch grĂ¶ĂŸere Wirkung als ReihenhĂ€user entfalten.cite-ref-113[1.69] HĂ€ufig wurden diese markanten Eckbauten als Wohn- und GeschĂ€ftshĂ€user genutzt. Zwar fielen dann gleich fĂŒr zwei Straßen Erschließungskosten an, ĂŒber die zusĂ€tzliche Nutzung als GeschĂ€ftshaus erhöhte sich jedoch die Rendite.cite-ref-114[1.70] Fortschritte in der Ziegelindustrie sorgten in den 1870er und 1880er Jahren fĂŒr sinkende Preise des Baumaterials, die Backsteinbauten wurden fĂŒr immer mehr Bauherren erschwinglich. Als besonders verkaufsfördernd erwies sich das Argument, dass Backsteinfassaden keiner besonderen Pflege bedĂŒrfen, anders als bei Putzbauten. Zunehmend entstanden daher auch MietshĂ€user nach den Prinzipien der Hannoverschen Schule. Dies galt vor allem fĂŒr die rapide wachsenden Stadtteile Hannovers, die Oststadt und die Nordstadt, außerdem die damals noch eigenstĂ€ndige Stadt Linden.cite-ref-115[1.71]

| Bild | GebÀude | Jahr | Ort | Architekt | Beschreibung in der Architekturkritik | Beleg |
|---|---|---|---|---|---|---|
| | Apotheke am Klagesmarkt, Postkamp 16 | 1860/61 | Hannover-Mitte ( Lage 52.380314 9.729175 ) | Conrad Wilhelm Hase | vorspringender, turmĂ€hnlicher Vorbau sorgt fĂŒr eine „sehr plastische“ Fassade, unterstĂŒtzt durch die SchrĂ€gstellung auf dem GrundstĂŒck; Mischbau aus Ziegeln und Sandstein; 1958 aufgestockt | [ 1.72 ] |
| | Doppelwohnhaus Eichstr. 3 u. 5 | 1888 | Hannover-Oststadt ( Lage 52.378159 9.751673 ) | Friedrich A. Ilse | HĂ€user mit grĂŒn-glasiertem Figurenfries; Haus Nr. 5 (rechts) besser erhalten mit ursprĂŒnglichem Giebel und Fensterrose ĂŒber der TĂŒr; beide Altane mittlerweile zu Veranden geschlossen | [ 1.73 ] |
| | Haus Postkamp 18 | 1888 | Hannover-Mitte ( Lage 52.380335 9.728845 ) | Otto Bollweg | hohes Mietshaus, verdeutlicht den „stĂ€dtischen Konzentrationsprozess“; mit turmartigen RundtĂŒrmchen am Giebel | [ 1.74 ] |
| | Ratsapotheke Karmarschstr. 44 | 1889–91 | Hannover-Mitte ( Lage 52.370865 9.735896 ) | Paul Rowald | Neubau als Ersatz fĂŒr die alte Ratsapotheke, abgerissen zum Bau der Karmarschstraße; ungewöhnliche Kombination verschiedener Elemente des Rundbogenstils mit denen der Hannoverschen Schule; AnklĂ€nge an das Berliner Rote Rathaus , nimmt sich neben dem Rathaus zurĂŒck; Statuen von Wessel : Hygieia und Hippokrates | [ 1.75 ] |
| | Wohn- und GeschĂ€ftshaus Gretchenstr. 44 | 1891 | Hannover-Oststadt ( Lage 52.383927 9.748173 ) | Heinrich Waldvogel (Maurermeister) | besitzt eine „besonders gute“ Verarbeitung mit „aufwendigen“ Details, Nr. 44 etwas schlichter als Haus Nr. 45 | [ 1.76 ] |
| | Wohn- und GeschĂ€ftshaus Bödekerstr. 58 | 1895–97 | Hannover-Oststadt ( Lage 52.384655 9.752815 ) | Johannes Franziskus Klomp | Eckhaus „stadtbildprĂ€gend“ und „eines der schönsten erhaltenen EckhĂ€user“ Hannoverscher Schule; Haus mit bĂŒrgerlichen 7-Zimmer-Wohnungen pro Normalgeschoss; spĂ€tes Beispiel fĂŒr die „klassische“ Hannoversche Schule mit Erkern, Balkonen, Übereckfialengiebeln und spitzem Turmhelm; in den 1970ern mit Betonplatten verkleidete Sparkassen-Filiale im Erdgeschoss wurde wieder dem ursprĂŒnglichen Zustand angeglichen [ 15 ] | [ 1.70 ] |
| | Wohn- und GeschĂ€ftshaus Offsteinstr. 1–3 | 1897 | Hannover-Linden Nord ( Lage 52.374395 9.705152 ) | August Ottleben (Zimmermeister) | einfachere „Handwerksmeister-Architektur“ mit „gekonnte[r]“ Massenverteilung, „besticht“ mit wenig Aufwand bei der Gestaltung | [ 1.70 ] |
| | Dat Gröne Hus , Wohnhaus Sextrostr. 1 | 1899 | Hannover-SĂŒdstadt ( Lage 52.363596 9.7474029 ) | Karl Börgemann | Übergang von der Neugotik zum Jugendstil; formen- und fabenreiche Fassade mit vielen grĂŒn-glasierten Ziegeln vermutlich in Anspielung auf den Auftraggeber Simon Gröne; aus der Front raumgreifend herauswachsender Übereckfialengiebel; grĂŒne EcktĂŒrmchen mit Anklang an PflanzenstĂ€ngel; „einzigartige Verbindung“ zwischen Hannoverscher Schule und Jugendstil | [ 1.77 ] |
| | Wohn- und GeschÀftshaus Fridastr. 1 | 1900 | Hannover-Oststadt ( Lage 52.382472 9.744936 ) | | schlichteres Mietshaus, entstanden als Spekulationsobjekt in der seinerzeit weniger beliebten Gegend hinter dem Bahnhof | [ 1.76 ] |
| | Wohn- und GeschĂ€ftshaus Dohmeyers Weg 6 | 1900 | Hannover-Kleefeld ( Lage 52.374214 9.787627 ) | | BacksteingebĂ€ude mit „reicher gotisierender Gliederung“ und glasierten Formsteinen | [ 11.3 ] |

Fabriken, Bahnhöfe und sonstige Zweckbauten

Die strikten Vertreter der neugotischen Stile bemĂŒhten sich, die Gestaltungsmerkmale der mittelalterlichen Architektur nicht nur auf Kirchen, RathĂ€user und Villen zu ĂŒbertragen, sondern auch andere Profanbauten damit zu prĂ€gen. Dies erstreckte sich auch auf GebĂ€ude, bei denen ZweckmĂ€ĂŸigkeit im Vordergrund stand, wie Fabriken, Bahnhöfe, SpeicherhĂ€user oder Kasernen. WĂ€hrend es vielen Ă€sthetischen Lehren nicht gelang, ihre Formensprache auf derartige Bauaufgaben auszudehnen, erfuhr die Hannoversche Schule im Profanbau eine weite Verbreitung. Zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte sie es im Industriebau Nord- und Westdeutschlands quasi zur Stilnorm geschafft.cite-ref-7-1[1.5]

Bereits viele Jahrzehnte vor dem Aufkommen der Hannoverschen Schule, im ausklingenden 18. Jahrhundert, entstand ein Bedarf fĂŒr mehrgeschossige FabrikgebĂ€ude. In diesen sollten große ArbeitssĂ€le untergebracht werden.cite-ref-7-2[1.5] Der mehrgeschossige Aufbau war nötig, um die Kraft vertikal ĂŒber Transmissionen zu ĂŒbertragen. Die Fabriken waren oft im Innern als Skelettbau ausgefĂŒhrt, der nach außen mit Mauerwerk verkleidet wurde. Das Skelett bestand noch lange Zeit aus einer hölzernen Konstruktion, gegen die sich anfangs nur langsam teurere Konstruktionen aus Gusseisen durchsetzten. Eiserne Tragstrukturen boten aber den großen Vorteil, feuerfest zu sein. Wo die QuertrĂ€ger des Skeletts auflagen, mussten die Außenmauern meist durch Lisenen verstĂ€rkt werden, was der Außenfassade eine rhythmische Gliederung verlieh. Die nach außen ablesbare innere Konstruktion war ganz im Sinne der neugotische Stile, denen die „konstruktive Wahrheit“ als Grundprinzip galt. Als zukunftsweisend erwies sich hier Schinkels Bauakademie in Berlin, die mit ihren ausgeprĂ€gten Backsteinlisenen in den Konstruktionsachsen zum Vorbild fĂŒr andere Architekturströmungen wurde. In Hannover erhielt die Mechanische Weberei als erste Fabrik modernen Typus eine Ă€ußere Gestaltung gemĂ€ĂŸ dem Hannoverschen Rundbogenstil. Das von Heinrich Ludwig Debo entworfene GebĂ€ude entstand 1857–58. Neu waren an ihm die beiden turmartigen Kopfbauten. Sie enthielten neben den TreppenhĂ€usern auch Neben- und AufsichtsrĂ€ume und waren gestalterisch deutlich vom Produktionstrakt abgehoben. Die Mechanische Weberei nahm damit eine der gedanklichen Grundideen der Hannoverschen Schule vorweg. Deren AnhĂ€nger forderten spĂ€ter, die von Grundrissanforderungen bestimmten GebĂ€udeabschnitte sollten „wirksam“ gruppiert werden. Außerdem sollte sich von außen ablesen lassen, welchem Zweck der einzelne GebĂ€udeteil diene.cite-ref-7-3[1.5]

In der Anfangszeit der Industrialisierung hatten Fabrikanten ihre ProduktionsgebĂ€ude oft als reine Nutzbauten ausfĂŒhren lassen, die nur ein Minimum an Verzierungen aufwiesen.cite-ref-124[1.79] Die oft in schneller Folge erweiterten Anlagen erhielten hĂ€ufig nur dadurch eine gewisse Geschlossenheit, dass die GebĂ€ude im Rundbogenstil entstanden. Er galt als wirtschaftliche Bauweise, bei denen architektonische Dekoration simpel durch eine entsprechende Anordnung der Ziegel erreicht werden konnte. Die Bedeutung einer Fabrik bemaß sich damals fast nur an ihrer rĂ€umlichen Ausdehnung und nicht an ihrer Ă€sthetischen Erscheinung. Erst in der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts kehrte ein Sinneswandel ein, Fabriken bekamen zunehmend eine reprĂ€sentative HĂŒlle. Nach ReichsgrĂŒndung wurde schließlich auch im Industriebau der Rundbogenstil mehr und mehr durch die Hannoversche Schule abgelöst.cite-ref-124-1[1.79]

Die Bahnhöfe des rasch wachsenden Eisenbahnnetzes erlebten eine Ă€hnliche Entwicklung wie die Fabriken. Auch hier gingen die Architekten weg vom Rundbogenstil und hin zur Neugotik, deren Formensprache den Stolz der Betreiber ausdrĂŒckte.cite-ref-125[1.80]

| Bild | GebÀude | Jahr | Ort | Architekt | Beschreibung in der Architekturkritik | Beleg |
|---|---|---|---|---|---|---|
| | Bahnhof Nordstemmen | 1858–60 | Nordstemmen ( Lage 52.167139 9.79 ) | Julius Rasch , EntwĂŒrfe von Conrad Wilhelm Hase | Abwendung vom Rundbogenstil : Drillingsfenster mit geradem Sturz im Drempelbereich; polychrome Ziegelverwendung; Segmentbogenblende schon wie bei spĂ€teren Werken Hannoverscher Schule | [ 1.81 ] |
| | GeschĂ€ftsbĂŒcher J. C. König und Ebhardt | 1874–76, erweitert 1891–93 | Hannover-Nordstadt ( Lage 52.379095 9.722706 ) | Ludwig FrĂŒhling | Fabrikbau von „konstruktiver SoliditĂ€t“ und gleichzeitig „malerischer Komposition“, besonders umfangreich; ArbeitssĂ€le in langen MittelflĂŒgeln mit abgesetzten Eckbauten fĂŒr die Verwaltung; reprĂ€sentative Erscheinung bedingt durch die „stĂ€dtebaulich exponierte“ Lage zwischen Innenstadt und königlichen GĂ€rten ; heute genutzt von der UniversitĂ€t | [ 1.82 ] |
| | StĂ€dtische Lagerbrauerei | 1872–8 (erster Abschnitt) | Hannover-SĂŒdstadt ( Lage 52.354782 9.754019 ) | Ludwig FrĂŒhling , spĂ€ter Ernst Wullekopf | erster Bauabschnitt aus einer Gruppe 2- u. 3-geschossiger Bauten, stetig erweitert, darunter ein DirektionsgebĂ€ude zur Hildesheimer Str.; 1890 „burgenhaftes“ Malz-Silo von Wullekopf; der vielteilige Baukomplex habe die Gestalt „mittelalterlicher Burgen und StĂ€dte“; Neugestaltung der Anlage in den 1970ern, nur ein GĂ€rungsgebĂ€ude von 1913 erhalten | [ 1.83 ] |
| | Speicherstadt im Hamburger Hafen (Bild: Speicherblock V von F. A. Meyer [ 1.84 ] ) | 1881–88, 1891–1912 | Hamburg, Hafen ( Lage 53.543333 9.991944 ) | Franz Andreas Meyer (Leitung u. Entwurf einiger GebĂ€ude), Georg Thielen | Großprojekt zur Schaffung von 0,5 Mio. m 2 LagerflĂ€che im Freihafen; „kĂŒnstlerische“ Gestaltung der GebĂ€ude, um das „dĂŒstere und schwerfĂ€llige“ Erscheinungsbild von Speichern zu vermeiden; Formen mit „malerische[r] Vielfalt ohne ĂŒbertriebene PrĂ€chtigkeit“ sorgen fĂŒr „Einheitlichkeit in der Gesamterscheinung“ und „Manngifaltigkeit“ im Detail: Spitzhelm-TĂŒrme, Wandreliefs, Schmuckgiebel (darunter Staffel-, Pfeilergiebel) | [ 1.85 ] |
| | Erweiterung der Mechanischen Weberei (Bild: Ursprungsbau von Debo , 1857) | 1885 | Hannover-Linden Mitte ( Lage 52.370365 9.717339 ) | Eduard Heine | Bau entlang der Blumenauer Str. mit „krĂ€ftigem“ Backstein relief und Spitzhelmen auf den EcktĂŒrmen; 1971 abgerissen, um Platz fĂŒr das Ihme-Zentrum zu schaffen | [ 1.86 ] |
| | Kaserne Kriegerstraße 1 | 1894/95 | Hannover-List ( Lage 52.386528 9.74286 ) | unbekannt | MannschaftsgebĂ€ude mit einer „strengen“ Gliederung und „ausgewogenen“ Proportionen bei der Fassadengliederung; schmale, schlitzartige Hochblenden in Staffelgiebeln, Wandaufbau mit zweigeschossigen Blendnischen; ĂŒbrige GebĂ€ude des Kasernen-Ensembles im Berliner und Hannoverschen Rundbogenstil | [ 1.87 ] |
| | Norddeutsche WollkĂ€mmerei & Kammgarnspinnerei | 1897–1910 | Delmenhorst ( Lage 53.054167 8.638056 ) | Henrich Deetjen | Wasserturm erscheint als „stĂ€dtebaulich wirksames Monument“; Gliederung der Fassade mit Lisenen , Nischen und Bögen ; Erscheinungsbild der Fabrik setzt sich in der zugehörigen Arbeitersiedlung fort | [ 1.86 ] |
| | Schokoladenfabrik B. Sprengel | 1899–1900 | Hannover-Nordstadt ( Lage 52.388055 9.718408 ) | Eduard Werner | Erweiterungsbau zur Schaufelder Straße: viergeschossiges GebĂ€ude Ă€hnlich denen Ludwig FrĂŒhlings ; wenige Zierelemente an der Fassade, „Schlichkeit und Strenge“ bei der AusfĂŒhrung weisen zur Sachlichkeit | [ 1.86 ] |

Verbreitung außerhalb des hannoverschen Raumes

Die an der Polytechnischen Schule in Hannover ausgebildeten Architekten des 19. Jahrhunderts verbreiteten die dortigen Lehrmeinungen im norddeutschen Raum, in vielen FĂ€llen auch darĂŒber hinaus. Beispielsweise nach Flensburg, das bis 1864 noch unter dĂ€nischer Herrschaft stand. Hier schufen Johannes Otzen und Alexander Wilhelm Prale eine Reihe von Ziegelbauten im Sinne der Hannoverschen Schule, die zum Teil noch heute das Stadtbild prĂ€gen.cite-ref-fl-tb-2015-08-16-133-0[16]cite-ref-festschrift-wenzel-134-0[17] Die von Conrad Wilhelm Hase vertretenen Leitgedanken fanden ihren Weg bis nach Norwegen, wo Balthazar Lange und Peter Andreas Blix kleine BahnhofsgebĂ€ude im Einklang mit neugotischen Idealen entwarfen.cite-ref-hvattum-norway-135-0[18] Die hannoverschen EinflĂŒsse reichten zudem bis nach Nordamerika, und wie in Norwegen betraf es auch dort die Eisenbahnarchitektur.cite-ref-festschrift-lewis-136-0[19] Der deutsche Architekt Wilhelm Lorenz stand im Dienste einer pennsylvanischen Eisenbahngesellschaft und besaß so Einfluss auf ihre Bahnhofsarchitektur. Seine EntwĂŒrfe folgten allerdings mehr den Prinzipien des Rundbogenstils als denen der „klassischen“ Hannoverschen Schule.

Flensburg

Innerhalb Deutschlands verbreitete sich die Hannoversche Schule nach Norden bis zur dĂ€nischen Grenze. In Flensburg, das nach dem Deutsch-DĂ€nischen Krieg 1864 von Preußen regiert wurde, sorgten Johannes Otzen und vor allem Alexander Wilhelm Prale fĂŒr eine PrĂ€gung des Stadtbildes. Sowohl Otzen als auch Prale hatten bei Conrad Wilhelm Hase in Hannover gelernt.cite-ref-festschrift-wenzel-134-1[17]

Johannes Otzen entwarf 1869 ein Wohnhaus fĂŒr den Großhandelskaufmann Christian Nicolai Hansen, von Eiko Wenzel „zu den ersten großen Bauvorhaben im nun preußischen Flensburg“ gezĂ€hlt.cite-ref-137[17.1] Gebaut wurde es an der Großen Straße Nr. 77 in der NĂ€he des Nordermarktes.cite-ref-fl-tb-2015-08-16-133-1[16] Das traufstĂ€ndige Hansen-Haus erhielt einen dreiachsigen Risalit mit Stufen-Fialengiebel. GrĂŒn und braun glasierte Formensteine, eine polychrome Fassade und ein farbiges Schieferdach sorgten dafĂŒr, dass das GebĂ€ude zu einer Art „Leistungsschau“cite-ref-137-1[17.1] fĂŒr den neuen Stil geriet. FĂŒr Wenzel besitzt das Haus neben einer architekturgeschichtlichen Bedeutung auch eine zeitgeschichtliche Relevanz, weil es zeige, wie sich das BĂŒrgertum zum deutsch-preußischen Staat hinwende.cite-ref-137-2[17.1]

Alexander Wilhelm Prale begann seine Arbeit in Flensburg bei Otzen, unter dessen Aufsicht er ab 1878 als Architekt beziehungsweise Bauleiter zwei Kirchturm-Neubauten ausfĂŒhrte: fĂŒr die Kirche St. Marien am Nordermarkt und fĂŒr die Kirche St. Nikolai am SĂŒdermarkt.cite-ref-137-3[17.1] Die beiden TĂŒrme prĂ€gten mit ihrem neugotischen Erscheinungsbild und ihren farbigen Schieferdeckungen ab 1880 die Silhouette der Stadt. Prale bekam nach Abschluss der beiden Projekte weitere AuftrĂ€ge fĂŒr kirchliche Bauaufgaben. Von 1880 bis 1883 arbeitete er beispielsweise an dem Umbau und der Erweiterung der Diakonissenanstalt, einem kirchlichen Krankenhaus. FĂŒr die reprĂ€sentative Fassade zur Talstadt entwarf Prale eine gelbe Ziegelfassade, strukturiert von Streifen roter Ziegel. Wenzel attestierte dem GebĂ€ude eine „bedeutende stĂ€dtebauliche Wirkung“cite-ref-138[17.2] wegen seiner Mehrgeschossigkeit und trotz seiner geringen Ausmaße. Jedoch verschwand die neugotische Außenarchitektur durch spĂ€tere Aus- und Umbauten vollstĂ€ndig.cite-ref-138-1[17.2] WĂ€hrend seiner Zeit in Flensburg schuf Prale auch Profanbauten. Bereits 1880 baute er fĂŒr J. A. Olsen ein GeschĂ€ftshaus am SĂŒdermarkt (nicht erhalten). Das Haus befand sich in einer Sichtbeziehung mit dem kurz zuvor fertiggestellten Turm der Nikolaikirche. Mit seinen vier Geschossen geriet es deutlich grĂ¶ĂŸer als die umgebende Mittelalterbebauung, fĂŒr Wenzel ein „empfindlicher Maßstabsbruch“cite-ref-139[17.3]. Das Haus verkörperte so den „neuen großstĂ€dtischen Anspruch des preußischen Flensburg“ und demonstrierte darĂŒber hinaus den „wirtschaftlichen Optimismus“ der damaligen Zeit.cite-ref-139-1[17.3] Die Fassade hielt Prale in roten Ziegeln; die Fensteröffnungen gestaltete er von Stockwerk zu Stockwerk unterschiedlich: das Erdgeschoss bekam spitzbogige Fenster (spĂ€ter durch ein großes Schaufenster ersetzt), wĂ€hrend im ersten Obergeschoss die Fenster des rechten Fassadenteils paarweise mit Segmentbögen zusammengefasst waren. Die spitzbogigen Fenster des zweiten Obergeschosses saßen wieder in einzelnen Blendnischen mit einem Kleeblattbogen-Abschluss nach oben. Die Fenster des dritten Obergeschosses waren spitzbogig geschlossen und in umlaufenden „FormsteinwĂŒlsten“cite-ref-140[17.4] eingefasst, nach unten mit SohlbĂ€nken abgeschlossen. Als Besonderheit Prales galten geputzte FlĂ€chen in den Blendnischen, auf denen Ranken oder Funktionen des Hauses dargestellt wurden. Zusammen mit Schichten aus Glasurziegeln und dem farbigen Schieferdach verliehen diese PutzflĂ€chen dem Olsen-Haus ein „stark polychromes Fassadenbild“cite-ref-140-1[17.4]. In den nĂ€chsten Jahren folgten weitere Wohn- und GeschĂ€ftshĂ€user von Prale. Dazu zĂ€hlen das Kontor- und Wohnhaus SchiffbrĂŒcke Nr. 21 (1880/81), das Wohn- und GeschĂ€ftshaus SchiffbrĂŒcke Nr. 24 (1882) und das Reedereikontor- und WohngebĂ€ude SchiffbrĂŒckstraße Nr. 8 (1883).cite-ref-140-2[17.4] Bei seinen Pastoratsbauten fĂŒr die St.-Nikolai-Gemeinde am SĂŒdermarkt (1900) und die St.-Johannis-Gemeinde am Johanniskirchhof (1903/04) griff Prale den Typus der Eckvilla auf. Dieser war seit den 1870er Jahren zu einer beliebten Lösung der Hannoverschen Schule geworden.cite-ref-141[17.5]

In Flensburg war Alexander Wilhelm Prale zum Ende des 19. Jahrhunderts zu einem fĂŒhrenden Architekten aufgestiegen, dessen GebĂ€udequalitĂ€t nach Ansicht Wenzels nur von Projekten Johannes Otzens erreicht wurde. Auch nach 1900 blieb Prale im Sakralbau dem neugotischen Stil fest verhaftet und konnte in der Folge keine grĂ¶ĂŸeren AuftrĂ€ge mehr gewinnen. Im Profanbau wandte er sich gegen 1902 langsam dem aufkommenden Jugendstil zu. Es gelang Prale jedoch nicht, die von ihm reprĂ€sentierte Ziegelbauweise bis zum Einsetzen der Heimatschutzarchitektur fortzuentwickeln, kommentiert Wenzel.cite-ref-142[17.6]

Norwegen

Die norwegischen Architekten Balthazar Lange (1854–1937) und Peter Andreas Blix (1831–1901) wirkten in den 1880er Jahren im Eisenbahnbau ihres Heimatlandes. Beide hatten unter Conrad Wilhelm Hase an der Polytechnischen Schule in Hannover studiert. Die Leitgedanken der Hannoverschen Schule besaßen bereits seit den spĂ€ten 1850er Jahren einen großen Einfluss auf die Architektur Norwegens, denn viele norwegische Architekten hatten sich bei Hase ausbilden lassen. In Christiania (Oslo) gab es eine eigene Gruppe von AnhĂ€ngern.cite-ref-143[18.1]

In einem 2011 erschienenen Aufsatz diskutiert Mari Hvattum die Entwicklung der norwegischen Eisenbahnarchitektur im 19. Jahrhundert. Die Architekten Lange und Blix schufen die BahnhofsgebĂ€ude der sogenannten „Jarlsberg-Strecke“ entlang der sĂŒdöstlichen KĂŒste Norwegens zwischen den StĂ€dten Drammen und Skien.cite-ref-144[18.2] WĂ€hrend die Stationen grĂ¶ĂŸerer StĂ€dte Bauten in einem eher gewöhnlichen neoklassizistischen Stil erhielten, wurden die lĂ€ndlichen Haltepunkte mit hölzernen GebĂ€uden versehen, deren Stil variierte und von sehr vielfĂ€ltigen EinflĂŒssen bestimmt war. Durch diese unterschiedliche AusfĂŒhrung fiel der Kontrast zwischen den kleinen und den großen Stationen beachtlich aus. Die hölzerne Erscheinung der lĂ€ndlichen Bahnhöfe sei nach Hvattums Ansicht als Abbild des regionalen Umfelds gesehen worden – nordisch –, wĂ€hrend die stĂ€dtischen Stationen eine europĂ€ische – klassizistische – PrĂ€gung widerspiegelten. Die Jarlsberg-Strecke veranschauliche damit eine kulturelle Auseinandersetzung, die das 19. Jahrhundert bestimmte. FĂŒr die deutschen Romantiker ausgehend von Johann Gottfried Herder sei der Norden mit „anti-klassizistischen“ Motiven verbunden, die als „ungekĂŒnstelt“ und „natĂŒrlich“ angesehen worden seien. Im Gegensatz dazu stĂŒnde der „klassizistische SĂŒden“.cite-ref-143-1[18.1] Diese beiden GegensĂ€tze fĂ€nden sich auch in der Architektur wieder, in der Neoklassizismus und Neugotik die beiden Lager bildeten. Die Neugotik habe hier fĂŒr einen Ausdruck von „SpontanitĂ€t“ und „Lebendigkeit“ gestanden. Die lĂ€ndlichen Bahnhöfe in ihrer althergebrachten, hölzernen Bauweise befĂ€nden sich ganz im Einklang mit Hases Lehrmeinungen. Der habe die mittelalterliche Architektur als nordischen Stil angesehen: eine regional glaubwĂŒrdige Alternative zu dem „starren“ und „gekĂŒnstelten“ Klassizismus des SĂŒdens.cite-ref-143-2[18.1]

Nordamerika

Die EinflĂŒsse der Hannoverschen Schule reichten bis nach Nordamerika. Immigrierte deutsche Architekten und Ingenieure wandten die Prinzipien der Lehre vor allem im Eisenbahnbau an. Dies betraf vornehmlich den US-Bundesstaat Pennsylvania, wohin die meisten Deutschen auswanderten.cite-ref-riemann-lewis-145-0[20]

Eine besondere Rolle spielte der an der Polytechnischen Hochschule Hannover ausgebildete Architekt Wilhelm Lorenz (1826–1884).cite-ref-146[19.1] Er hatte von 1844 bis 1846 unter Ernst Ebeling studiert. Wie viele Absolventen der damaligen Zeit litt auch Lorenz unter einer lahmenden BautĂ€tigkeit im Zuge der Deutschen Revolution. Er verließ infolgedessen Deutschland, um in den Vereinigten Staaten fĂŒr die Eisenbahngesellschaft Philadelphia & Reading Railroad zu arbeiten. In Amerika gab es damals noch keine akademische Ausbildung fĂŒr Architektur, weshalb gerne auf deutsche Architekten und Ingenieure zugegriffen wurde. In Philadelphia stellte Lorenz eine Besonderheit dar, weil die meisten seiner eingewanderten Kollegen aus dem sĂŒddeutschen Raum stammten. Nach Ansicht des Kunsthistorikers Michael J. Lewis deuten viele Anzeichen darauf hin, dass Lorenz „der wichtigste Vertreter der Hannoverschen Schule in Amerika“cite-ref-146-1[19.1] gewesen sei. 1860 stieg Lorenz zum leitenden Ingenieur fĂŒr eine Nebenlinie der Reading-Eisenbahngesellschaft auf und entwarf als solcher auch die Bahnbauwerke. Bei der Gesellschaft war es noch bis 1879 ĂŒblich, dass Zweckbauten von Ingenieuren konstruiert wurden, wĂ€hrend freiberufliche Architekten GebĂ€ude mit reprĂ€sentativem Charakter gestalteten, meist jedoch auf die Fassade beschrĂ€nkt.cite-ref-147[19.2] Die Orientierung an der Hannoverschen Schule zeigte sich erstmals beim Bahnhof Norristown. HierfĂŒr legte der amerikanische Architekt Joseph Hoxie 1858 einen ĂŒberarbeiteten Entwurf vor, der ein „fein gegliedertes BaugefĂŒge“cite-ref-147-1[19.2] zeigte, strukturiert durch ein „Netz von schlanken Lisenen und Konsolgesimsen“cite-ref-147-2[19.2]. Nach Ansicht Lewis’ erhielt das GebĂ€ude darĂŒber einen Charakter, der eher an die „lebhaften OberflĂ€chen mittelalterlicher Architektur“ erinnerte als an die ruhigen Formen des Klassizismus. Lorenz, der 1871 zum Chefingenieur der gesamten Eisenbahngesellschaft geworden war, sorgte fĂŒr einen wachsenden deutschen Einfluss. FĂŒr den Knotenpunkt Reading entwarf er um 1873 einen Bahnhof im „strengen“ Rundbogenstil. In seiner Anordnung in der Mitte eines dreiseitigen, von Gleisen umgebenen GrundstĂŒcks erscheint Lewis der Bahnhof mehr als „eigenartiger Zentralbahnhof“cite-ref-147-3[19.2] denn Durchgangs- oder Kopfbahnhof. Den Prinzipien der „klassischen“ Hannoverschen Schule war Lorenz mit seinem Entwurf allerdings nicht gefolgt, dafĂŒr hatte er Hannover zu frĂŒh verlassen. Aus KostengrĂŒnden entstand der Readinger Bahnhof letztlich in einem vereinfachten „Kasernenstil“. Zum Ende der 1870er Jahre Ă€nderte sich die Architekturauffassung der Eisenbahngesellschaft. Um sich von einem konkurrierenden Unternehmen abzusetzen, sollten die Bahnhöfe nun „durch architektonische Mittel dramatisch hervorgehoben werden.“cite-ref-148[19.3] Dazu wurde 1879 der amerikanische Architekt Frank Furness angestellt, wodurch der Einfluss von Lorenz vermutlich schwand. Wenig spĂ€ter geriet die Eisenbahngesellschaft in finanzielle Schwierigkeiten, wĂ€hrend Lorenz schwer erkrankte und schließlich 1884 verstarb.cite-ref-148-1[19.3]

Ausklang und Fortwirken

Die architektonischen EinflĂŒsse der Hannoverschen Schule verschwanden nicht abrupt, sondern klangen ĂŒber Jahrzehnte langsam aus.cite-ref-149[1.88] In der SpĂ€tphase der Neugotik entstand unter anderem das VerwaltungsgebĂ€ude der Westinghouse AG am Goetheplatz in Hannover (nicht erhalten). Der von Karl Börgemann gegen 1900 entworfene Backsteinbau besaß „eine gesteigerte Tendenz zur Monumentalisierung“cite-ref-149-1[1.88] gegenĂŒber frĂŒheren Bauwerken der Hannoverschen Schule. Das GeschĂ€ftshaus Biermann an der Herrenstraße Nr. 8 in Hannover stammt von Alfred Sasse. Das 1905/06 erbaute Haus besitzt eine Fassade aus Tuffstein und schwarzen Oeynhauser Verblendsteinen, die weiß verfugt sind. Die „kraftvolle und vornehme“cite-ref-149-2[1.88] Fassade weist aber auch viele kleinteilige Details auf, die im Sinne der Hannoverschen Schule sind: Das Fenstermaßwerk und das turmartig erhöhte Treppenhaus lassen sich davon noch erkennen, die „filigranen durchbrochenen“cite-ref-149-3[1.88] Giebel des Treppenhauses blieben nicht erhalten.cite-ref-149-4[1.88] Bei dem 1913 erbauten Wohn- und GeschĂ€ftshaus an der Voßstraße, Ecke Jakobistraße war in zeitgenössischen Veröffentlichungen bereits von einer Wiederbelebung des Backsteinbaus in Hannover zu lesen. Wilhelm TĂŒrnau gestaltete das „gut proportionierte“cite-ref-149-5[1.88] Eck-Doppelhaus. Es besitzt vertikale Gliederungselemente in den Giebelfeldern, Erker und eine Fassadengliederung ĂŒber zwei Geschosse. Obwohl der ursprĂŒngliche Dachaufbau im Zweiten Weltkrieg verlorenging und nur vereinfacht wieder hergerichtet wurde, gibt das Haus nach Ansicht des Bauhistorikers GĂŒnther Kokkelink trotzdem ein gutes Beispiel fĂŒr den Übergang der Hannoverschen Schule hin zur Moderne. Weitere Beispiele fĂŒr AuslĂ€ufer der Hannoverschen Schule sind das Gertrud-Marien-Heim in Hannover-Linden Mitte und der Erweiterungsbau der hannoverschen Keksfabrik Bahlsen in Hannover-List.cite-ref-150[1.89]

Auch das Anzeiger-Hochhaus, erbaut 1927/28 im Zentrum Hannovers, stehe nach Kokkelink mit seinen Übereckfialen in der Tradition der Hannoverschen Schule.cite-ref-151[1.90] Der Architekt Fritz Höger war ein fĂŒhrender Vertreter des Backsteinexpressionismus, der Übereckfialen ansonsten nur wenig einsetzte. Die Übereckfialen klingen auch in der „strenge[n] Vertikalgliederung“cite-ref-152[1.91] des Franzius-Instituts an. Dieses ForschungsgebĂ€ude fĂŒr die Technische Hochschule Hannover wurde 1928–31 unter der Aufsicht von Franz Erich Kassbaum errichtet.cite-ref-153[1.92]

Am 18. Oktober 2016 wurde in der chinesischen Stadt Changde ein deutsches Viertel eröffnet, dessen Formen sich an der Hannoverschen Schule orientieren.cite-ref-154[21]

SpÀterer Umgang mit den Bauten

Nach 1945 erfuhren besonders in Hannover viele der GebĂ€ude, die den Zweiten Weltkrieg ĂŒberstanden hatten, nur noch wenig WertschĂ€tzung. Der Bauhistoriker GĂŒnther Kokkelink stellte dazu fest, dass in der Hingabe an alles, was modern erschiene, die Architektur des Historismus eine generelle Ablehnung getroffen habe.cite-ref-5-3[1.3] ReprĂ€sentative Bauten bekannter Architekten seien in vereinfachter Form wieder aufgebaut oder gleich ganz abgerissen worden, nicht selten um durch „Allerweltsarchitektur“ ersetzt zu werden.cite-ref-5-4[1.3] Eiko Wenzel Ă€ußerte in einem 1999 erschienenen Aufsatz, dass die Denkmalpflege an vielen Stellen noch nicht in der Lage sei, die kĂŒnstlerische QualitĂ€t der Bauten aus dem spĂ€ten 19. Jahrhundert ĂŒberzeugend darzulegen.cite-ref-155[17.7] Der Grund sei, dass der Denkmalpflege hierfĂŒr noch die Bewertungskriterien fehlten. Die GeringschĂ€tzung dieser Stilepoche besitze ihren Ursprung in der Heimatschutzbewegung, die den Historismus ablehnte.cite-ref-festschrift-wenzel-anm-156-0[22] Dabei habe die Heimatschutzbewegung genau wie der Historismus Anleihen bei historischen Vorbildern gemacht.

Neugestaltung Hannovers nach dem Zweiten Weltkrieg

Im Sommer 1948 wurde Rudolf Hillebrecht zum Stadtbaurat von Hannover gewĂ€hlt.cite-ref-158[23.1] Er galt als Vertreter der Moderne und war ein großer AnhĂ€nger von Walter Gropius. Der damaligen Architekturausbildung an der Technischen Hochschule Hannover konnte er nicht viel abgewinnen und kritisierte sie wĂ€hrend seines Studiums als „mangelhaft“ und „nicht gerade vielschichtig“.cite-ref-lindau-f-nfziger-1-159-0[24] Er trat deswegen auch nicht der BauhĂŒtte bei. FĂŒr die Neugestaltung Hannovers nach dem Zweiten Weltkrieg maß Hillebrecht den Aspekten „Struktur und Verkehr“ entscheidende Bedeutung zu: „von diesen beiden Faktoren wird das Bild des modernen Stadtkerns maßgeblich beeinflußt, ja vielleicht bestimmt.“cite-ref-lindau-f-nfziger-2-160-0[25] Die Neugestaltung sollte dabei nicht von „Àsthetischen Vorstellungen“ ausgehen, sondern von einer „sinnvollen wirtschaftlichen Nutzung der verschiedenen Quartiere“cite-ref-lindau-f-nfziger-3-161-0[26] bestimmt werden. Hillebrecht bemĂŒhte sich, die Stadt autogerecht umzugestalten. DafĂŒr ließ er Tangentialstraßen anlegen (die Schnellwege) und gestaltete InnenstadtplĂ€tze zu „Verkehrsturbinen“ um, darunter der Kröpcke und der Aegidientorplatz.cite-ref-162[23.2] Zwischen der BahnhofsrĂŒckseite und dem Raschplatz entstanden Verkehrsstraßen auf zwei Ebenen.cite-ref-163[23.3]

Um bei der Umgestaltung alte Bausubstanz zu bewahren, bemĂŒhte sich der Bund Deutscher Architekten 1964, die Stadt zu einer Satzung fĂŒr den Schutz historischer Bauten zu bewegen. Ein Denkmalschutzgesetz gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Damit seine PlĂ€ne nicht beeintrĂ€chtigt wĂŒrden, verhinderte Hillebrecht, dass eine solche Satzung verbindlich wurde.cite-ref-10-1[3.1] Bauwerke aus dem 19. Jahrhundert erfuhren bei ihm wenig WertschĂ€tzung, Hillebrecht attestierte ihnen „nichts weiter als Anleihen bei allen Stilepochen europĂ€ischer Baukunst gemacht“cite-ref-lindau-f-nfziger-4-164-0[27] zu haben. Außerdem ist bei ihm die Rede von einem „peinlichen Eklektizismus kulturell schwacher Jahrzehnte“cite-ref-lindau-f-nfziger-4-164-1[27]. Hermann Deckert, zu der Zeit Landeskonservator und zuvor Rektor der Technischen Hochschule Hannover, teilte Hillebrechts Ansichten. In seiner Bestandsaufnahme Die Denkmalpflege in der Provinz Hannover hatte er sich bereits 1936 abfĂ€llig ĂŒber die HĂ€user an der Karmarschstraße geĂ€ußert und sie „Schandmale der GrĂŒnderzeit“cite-ref-lindau-f-nfziger-5-165-0[28] genannt. Die HĂ€user an der Nordseite des Marktplatzes, darunter das Pfarrhaus der Marktkirche, waren fĂŒr Deckert „verlogene ‚gotische‘ Bauten“cite-ref-lindau-f-nfziger-5-165-1[28]. In den folgenden Jahren wurden viele GebĂ€ude aus dem 19. Jahrhundert abgerissen. Von den Bauten Hannoverscher Schule waren unter anderen das Pfarrhaus der Kreuzkirche (Paul Rowald, 1892) und die Reste des Wohnhauses von Conrad Wilhelm Hase (Hase, 1859) betroffen. Das im Rundbogenstil errichtete Ratsgymnasium am Georgsplatz (Ludwig Droste, 1854) musste einem Neubau der Nord/LB (Hanns Dustmann, 1957) weichen.cite-ref-166[23.4]

Abriss der Villa Willmer

Auch nach den Abrissen der 1950er Jahre blieb das denkmalpflegerische Interesse an Bauten der Hannoverschen Schule zum Teil gering. Exemplarisch steht dafĂŒr die Villa Willmer („TrĂ€nenburg“) in Hannover-Waldhausen, deren Abriss 1971 ein großes öffentliches Interesse begleitete.cite-ref-168[29.1] Das schlossartige Haus war im Krieg nur leicht beschĂ€digt worden und wurde bis Anfang 1971 bewohnt. Die Erben des Ziegelfabrikanten Friedrich Willmer hatten die Villa mit GrundstĂŒck im Vorjahr an ein Wohnungsbauunternehmen verkauft. Das Unternehmen plante, auf dem GrundstĂŒck insgesamt 150 neue Wohnungen errichten zu lassen, wofĂŒr die Villa weichen sollte. Da Rudolf Hillebrecht die Initiativen zum Denkmalschutz bisher verhindert hatte, besaß die Stadt keine Handhabe, gegen den Abriss einzuschreiten. Nachdem die NeubauplĂ€ne Ende 1970 in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung publik geworden waren, kam es zu Protesten. In einer öffentlichen Anzeige forderten BĂŒrger die Stadtverwaltung auf, zu verhindern, „daß dieses kostbare Baudenkmal sinnlos vernichtet wird“cite-ref-lindau-aufbau-1-169-0[30]. Zu den Unterzeichnenden zĂ€hlten viele Architekten, Angehörige der Technischen Hochschule Hannover und weitere Personen in (ehemals) hohen Ämtern.cite-ref-lindau-aufbau-3-170-0[31] Die Architektenkammer Niedersachsen organisierte eine Demonstration, außerdem sprachen sich verschiedene SachverstĂ€ndige fĂŒr den Erhalt des GebĂ€udes aus.cite-ref-171[29.2] Auf die Angebote der Wohnungsbaugesellschaft, entweder das GrundstĂŒck samt Villa der Stadt im Tausch zu ĂŒberlassen oder die Villa zu erhalten und das restliche GrundstĂŒck dichter zu bebauen, ging die Stadtverwaltung nicht ein. Ebenso scheiterte eine Initiative, die das Haus als Kunst- und Kulturzentrum betreiben wollte. In einer Sitzung des Bauausschusses beschloss der Stadtrat im April 1971 schließlich, die Abbruchgenehmigung zu erteilen. Diese wurde Ende August 1971 ausgesprochen und das Haus daraufhin umgehend abgerissen.cite-ref-172[29.3]

Erst zum Ende des 20. Jahrhunderts setzte ein Wandel ein, denkmalpflegerisches Interesse und StĂ€dtetourismus fĂŒhrten zu verstĂ€rkten BemĂŒhungen, die vorhandenen Bauwerke zu erhalten.cite-ref-5-5[1.3] Dennoch kam es auch in jĂŒngster Zeit noch zu Abrissen: Beispielsweise wurde fĂŒr den Bau des Fachgerichtszentrum in Hannover ein Wohnhaus abgerissen,cite-ref-haz-2013-09-16-173-0[32] in Lehrte verschwand das VerwaltungsgebĂ€ude einer ehemaligen Druckerei in der Gartenstraße.cite-ref-haz-2015-08-04-174-0[33]

Literatur

‱ Gustav Schönermark: Die Architektur der Hannoverschen Schule. 7 Bde., Hannover 1888–1895.
‱ GĂŒnther Kokkelink, Monika Lemke-Kokkelink: Baukunst in Norddeutschland. Architektur und Kunsthandwerk der Hannoverschen Schule 1850–1900. SchlĂŒtersche, Hannover 1998, ISBN 3-87706-538-4.
‱ Saskia Rohde: Im Zeichen der Hannoverschen Architekturschule. Der Architekt Edwin Oppler (1831–1880) und seine schlesischen Bauten. In: Hannoversche GeschichtsblĂ€tter. Bd. 54, 2000 [2002], S. 67–86.
‱ Klaus Mlynek: Hannoversche Architekturschule. In: Klaus Mlynek, Dirk Böttcher (Hrsg.): Stadtlexikon Hannover. Von den AnfĂ€ngen bis in die Gegenwart. SchlĂŒtersche Verlagsgesellschaft, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 257.
‱ Frank Achhammer: Die BauhĂŒtte zum weißen Blatt. Eine Schöpfung Conrad Wilhelm Hases – und umgekehrt? Ein Beitrag zur Geschichte der Hannoverschen Schule." In: Hannoversche GeschichtsblĂ€tter, Neue Folge 78 (2024), S. 103–135.

Weblinks

Commons

: Hannoversche Architekturschule

– Sammlung von Bildern

‱ Frank Achhammer, Birte Rogacki-Thiemann: Hannoversche Schule im Denkmalatlas Niedersachsen

Belege und Anmerkungen

1. GĂŒnther Kokkelink, Monika Lemke-Kokkelink: Baukunst in Norddeutschland. Architektur und Kunsthandwerk der Hannoverschen Schule 1850–1900. SchlĂŒtersche, Hannover 1998, ISBN 3-87706-538-4.
cite-note-bauwerke-eisenbahn-1-42. ↑ GĂŒnther Kokkelink, Eberhard G. Neumann: Vorwort. In: Sabine Baumgart, JĂŒrgen Knotz: Die Bauwerke der Eisenbahn in Niedersachsen. Teil 1: Bestandsaufnahme, Katalog des gesammelten Materials. Forschungsbericht des Instituts fĂŒr Bau- und Kunstgeschichte der UniversitĂ€t Hannover. Selbstverlag, Hannover 1983.
2. Friedrich Lindau: Hannover. Wiederaufbau und Zerstörung. Die Stadt im Umgang mit ihrer bauhistorischen IdentitĂ€t. Zweite, ĂŒberarbeitete Auflage. SchlĂŒtersche, Hannover 2000, ISBN 3-87706-659-3.
3. Theodor Unger (Hrsg.): Hannover 1882: Ein FĂŒhrer durch die Stadt und ihre Bauten. Nachdruck des historischen Buches aus dem Klindworth’s Verlag. EuropĂ€ischer Hochschulverlag, Bremen 2011, ISBN 978-3-86741-493-7.
cite-note-auffarth-pietsch-135. ↑ Sid Auffarth, Wolfgang Pietsch: Die UniversitĂ€t Hannover: ihre Bauten, ihre GĂ€rten, ihre Planungsgeschichte. Imhof, Petersberg 2003, ISBN 3-935590-90-3. Fußnote 23 auf S. 128.
4. Ulrike Faber-Hermann: BĂŒrgerlicher Wohnbau des 19. und frĂŒhen 20. Jahrhunderts in Minden. Lit, MĂŒnster / Hamburg / London 2000, zugleich verĂ€nderte Dissertation, UniversitĂ€t Minden, 1989, ISBN 3-8258-4369-6.
5. Sabine Baumgart, JĂŒrgen Knotz: Die Bauwerke der Eisenbahn in Niedersachsen. Teil 1: Bestandsaufnahme, Katalog des gesammelten Materials. Forschungsbericht des Instituts fĂŒr Bau- und Kunstgeschichte der UniversitĂ€t Hannover. Selbstverlag, Hannover 1983.
cite-note-bauwerke-eisenbahn-2-218. ↑ GĂŒnther Kokkelink, Eberhard G. Neumann: Vorwort. In: Sabine Baumgart, JĂŒrgen Knotz: Die Bauwerke der Eisenbahn in Niedersachsen. Teil 1: Bestandsaufnahme, Katalog des gesammelten Materials. Forschungsbericht des Instituts fĂŒr Bau- und Kunstgeschichte der UniversitĂ€t Hannover. Selbstverlag, Hannover 1983. Die beiden Autoren zitieren aus einer Festschrift, die anlĂ€sslich des 150-jĂ€hrigen Bestehens der UniversitĂ€t Hannover erschien. FĂŒr die Festschrift hatte Kokkelink einen Beitrag ĂŒber Conrad Wilhelm Hase verfasst.
cite-note-519. ↑ August Rebentisch †. In: Deutsche Bauzeitung. Band 12, 1890, ISSN 2751-5214, S. 66f., urn:nbn:de:bvb:12-bsb11466529-1 ([1]).
6. Wolfgang Neß, Ilse RĂŒttgerodt-Riechmann, Gerd Weiß, Marianne Zehnpfenning (Hrsg.): Baudenkmale in Niedersachsen. 10.1. Stadt Hannover, Teil 1. Friedrich Vieweg und Sohn, Braunschweig / Wiesbaden 1983, ISBN 3-528-06203-7.
7. Wolfgang Neß, Ilse RĂŒttgerodt-Riechmann, Gerd Weiß (Hrsg.): Baudenkmale in Niedersachsen. 10.2. Stadt Hannover, Teil 2. Friedrich Vieweg und Sohn, Braunschweig / Wiesbaden 1985, ISBN 3-528-06208-8.
cite-note-kokkelink-bak-10612. ↑ BlĂ€tter fĂŒr Architektur und Kunsthandwerk. 26. Jahrgang, Nr. 11, November 1913, S. 41f. ErwĂ€hnt in: GĂŒnther Kokkelink, Monika Lemke-Kokkelink: Baukunst in Norddeutschland. Architektur und Kunsthandwerk der Hannoverschen Schule 1850–1900. SchlĂŒtersche, Hannover 1998, ISBN 3-87706-538-4. S. 130.
cite-note-haz-2011-03-03-1088. Mohrmann-Haus wird saniert (Memento vom 3. Juni 2016 im Internet Archive). In: HAZ.de, 3. MĂ€rz 2011. Abgerufen am 19. November 2015.
cite-note-nordstadtkirchen-1129. Kontakt. Internetauftritt der NordstĂ€dter Kirchengemeinde, mit der Nennung der Anschrift Lutherstraße 12. Abgerufen am 19. November 2015.
cite-note-commons-12110. Vergleiche die Dokumentation bei Commons.
cite-note-fl-tb-2015-08-16-13316. ↑ PrĂ€chtige Bauten in Ziegel-Vielfalt In: Flensburger Tageblatt (Online-Ausgabe), 15. August 2015. Abgerufen am 11. Dezember 2015.
cite-note-festschrift-wenzel-13417. ↑ Eiko Wenzel: Spuren der Hannoverschen Schule in Flensburg – der Architekt Alexander Wilhelm Prale. In: Stefan Amt (Hrsg.): Festschrift fĂŒr GĂŒnther Kokkelink (= Schriften des Instituts fĂŒr Bau- und Kunstgeschichte der UniversitĂ€t Hannover. Band 12). Hannover 1999, ISBN 3-931585-09-3, S. 171–184.
cite-note-hvattum-norway-13518. ↑ Mari Hvattum: Panoramas of Style. Railway Architecture in Nineteenth-century Norway. In: Journal of the Society of Architectural Historians. Bd. 70, Nr. 2, 2011, S. 190–209, doi:10.1525/jsah.2011.70.2.190.
cite-note-festschrift-lewis-13619. ↑ Michael J. Lewis: Wilhelm Lorenz: Die Hannoversche Schule in Amerika. In: Stefan Amt (Hrsg.): Festschrift fĂŒr GĂŒnther Kokkelink (= Schriften des Instituts fĂŒr Bau- und Kunstgeschichte der UniversitĂ€t Hannover. Band 12). Hannover 1999, ISBN 3-931585-09-3, S. 143–150.
cite-note-riemann-lewis-14520. ↑ Michael J. Lewis: Der Rundbogenstil und die Karlsruhe-Philadelphia-Achse. In: Xenia Riemann (Hrsg.): Dauer und Wechsel. Festschrift fĂŒr Harold Hammer-Schenk zum 60. Geburtstag. Lukas, Berlin 2004, ISBN 3-936872-20-1, S. 138 Anmerkung Nr. 15.
cite-note-15421. ↑ Maria Sandig: Hannover-Viertel im chinesischen Changde eröffnet. In: Weser Kurier. 18. Oktober 2016, abgerufen am 7. November 2023.
cite-note-festschrift-wenzel-anm-15622. ↑ Anmerkung: Wenzel bezieht sich in seinem Aufsatz auf die Situation in Flensburg. Dort hatten Johannes Otzen und Alexander Wilhelm Prale eine Reihe von Sakral- und Profanbauten im Stile der Hannoverschen Schule errichtet. Über die Heimatschutzbewegung heißt es bei Wenzel, sie habe „gerade in Schleswig-Holstein zu einem neuen, regionalen Stil“ gefunden, siehe Eiko Wenzel: Spuren der Hannoverschen Schule in Flensburg – der Architekt Alexander Wilhelm Prale. In: Stefan Amt (Hrsg.): Festschrift fĂŒr GĂŒnther Kokkelink (= Schriften des Instituts fĂŒr Bau- und Kunstgeschichte der UniversitĂ€t Hannover. Band 12). Hannover 1999, ISBN 3-931585-09-3, S. 171–184, hier S. 171.
11. Friedrich Lindau: Planen und Bauen der FĂŒnfziger Jahre in Hannover. SchlĂŒtersche, Hannover 1998, ISBN 3-87706-530-9.
cite-note-lindau-f-nfziger-1-15924. ↑ Friedrich Lindau: Planen und Bauen der FĂŒnfziger Jahre in Hannover. SchlĂŒtersche, Hannover 1998, ISBN 3-87706-530-9, S. 22: Lindau zitiert hier aus einem Schreiben von Rudolf Hillebrecht an Walter Gropius aus dem Jahr 1931.
cite-note-lindau-f-nfziger-2-16025. ↑ Friedrich Lindau: Planen und Bauen der FĂŒnfziger Jahre in Hannover. SchlĂŒtersche, Hannover 1998, ISBN 3-87706-530-9, S. 25: Lindau zitiert hier Hillebrecht aus Handbuch moderner Architektur: eine Kunstgeschichte der Architektur unserer Zeit vom Einfamilienhaus bis zum StĂ€dtebau. Hrsg. von Reinhard Jaspert. Safari, Berlin 1957, S. 514.
cite-note-lindau-f-nfziger-3-16126. ↑ Friedrich Lindau: Planen und Bauen der FĂŒnfziger Jahre in Hannover. SchlĂŒtersche, Hannover 1998, ISBN 3-87706-530-9, S. 25: Lindau zitiert hier Hillebrecht aus Die Stadt zwischen gestern und morgen: Planung, Verwaltung, Baurecht und Verkehr. Hrsg. unter anderem von Rudolf Hillebrecht. Kyklos, Basel 1961, S. 139.
cite-note-lindau-f-nfziger-4-16427. ↑ Friedrich Lindau: Planen und Bauen der FĂŒnfziger Jahre in Hannover. SchlĂŒtersche, Hannover 1998, ISBN 3-87706-530-9, S. 30: Lindau zitiert hier aus einer Ansprache Hillebrechts zur Einweihung des Continental-Hochhauses, erschienen in der Baurundschau. Heft 9, 1953, S. 346ff.
cite-note-lindau-f-nfziger-5-16528. ↑ Friedrich Lindau: Planen und Bauen der FĂŒnfziger Jahre in Hannover. SchlĂŒtersche, Hannover 1998, ISBN 3-87706-530-9, S. 30: Lindau zitiert Deckerts Aufsatz Zur Altstadtgesundung in Hannover, erschienen in Die Denkmalpflege in der Provinz Hannover. Hannover 1936, S. 6.
12. Friedrich Lindau: Hannover. Wiederaufbau und Zerstörung. Die Stadt im Umgang mit ihrer bauhistorischen IdentitĂ€t. Zweite, ĂŒberarbeitete Auflage. SchlĂŒtersche, Hannover 2000, ISBN 3-87706-659-3. Kapitel Villa Willmer, im Volksmund „TrĂ€nenburg“ genannt. Ein bedeutendes Bauwerk der Hannoverschen Architekturschule und seine Vernichtung. S. 215–251.
cite-note-lindau-aufbau-1-16930. ↑ Friedrich Lindau: Hannover. Wiederaufbau und Zerstörung. Die Stadt im Umgang mit ihrer bauhistorischen IdentitĂ€t. Zweite, ĂŒberarbeitete Auflage. SchlĂŒtersche, Hannover 2000, ISBN 3-87706-659-3, S. 237: Abdruck der Protestanzeige.
cite-note-lindau-aufbau-3-17031. ↑ Die Liste der Unterzeichnenden im Wortlaut: „Klaus Behrens, Prokurist; Ing. (grad.) Helmut Dettmer, Architekt, Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure; cand. arch. Horst Faltz, TU Hannover; Claus Harms, Journalist; Dipl.-Chem. Adolf Helms, TU Hannover; Prof. Dr. phil. Georg Hoeltje, Ordinarius, TU Hannover; GĂŒnter Kleindienst, Journalist; Dr. phil. Heinrich Klotz, Kunsthistoriker, UniversitĂ€t Göttingen; Dr.-Ing. GĂŒnther Kokkelink, TU Hannover; Dipl.-Ing. Friedrich Lindau, Architekt, PrĂ€sident der Architektenkammer Niedersachsen; Dr. phil. Jochen Mangelsen, Redakteur; Dr.-Ing. Hermann Mewes, Regierungsbaumeister a. D.; Prof. Dr.-Ing. Bruno Meyer-Plath; Gert MĂŒller-Fehn, Redakteur; Werner Rode, Kaufmann; Dipl.-Ing. Karl Rogge, Bundesbahn-Baudirektor a. D.; Dipl.-Ing. Friedrich Salfeld, Baudirektor, VizeprĂ€sident der Architektenkammer Niedersachsen; Dr. phil.Ludwig Schreiner, Privatdozent, TU Hannover; Clara Stendel, Kunstmalerin; Dipl-Ing. Walter von StĂŒlpnagel, Kirchenbaudirektor; Ursula Uthe, SekretĂ€rin; Dipl.-Ing. Gerhard Wattenberg, Ministerialdirigent a. D.; Dr. med. habil. Rudolf Wohlrab, Medizinaldirektor; Dipl.-Ing. Paul Wolters, Baudirektor.“ Aus: Friedrich Lindau: Hannover. Wiederaufbau und Zerstörung. Die Stadt im Umgang mit ihrer bauhistorischen IdentitĂ€t. Zweite, ĂŒberarbeitete Auflage. SchlĂŒtersche, Hannover 2000, ISBN 3-87706-659-3, S. 237: Abdruck der Protestanzeige.
cite-note-haz-2013-09-16-17332. ↑ „Es muss Schluss sein mit Abrissen“ (Memento vom 6. Juni 2021 im Internet Archive). In: HAZ.de, 16. September 2013. Abgerufen am 11. November 2015.
cite-note-haz-2015-08-04-17433. ↑ Abriss an der Gartenstraße.@1@2Vorlage:Toter Link/www.haz.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2023. Suche in Webarchiven) In: HAZ.de, 4. August 2015. Abgerufen am 11. November 2015.